EU
15.05.2013

Keine Investitionen in Gaskraftwerke

Foto: Siemens
Gaskraftwerk Irsching IV

Für Energieversorger rechnet sich der Bau von flexiblen Gaskraftwerken in der EU nicht mehr. Gegen die billigen Kohlekraftwerke können die Anlagen nicht konkurrieren. Helfen könnte eine ehrgeizigere Klimapolitik.

Jean Francois Cirelli, Präsident des französischen Energieriesen GDF Suez, findet klare Worte. „Die Lage ist desaströs“, sagt der Manager auf einer Konferenz in Brüssel. „Die Energieversorger investieren nicht mehr in Europa.“ Der Bau von Gaskraftwerken rechne sich einfach nicht.

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Neben dem Zuwachs an erneuerbaren Energien und dem insgesamt sinkenden Energieverbrauch, sei vor allem die derzeit billige Kohle Schuld an der Situation. Da die USA wegen der massiven Schiefergasfunde kaum noch Kohle verstromen, exportieren sie den Brennstoff. Die Folge sind sinkende Preise auf dem Weltmarkt. 
 
Gaskraftwerke können nicht mehr konkurrieren. Im vergangenen Jahr sank etwa der Anteil von Gas am britischen Energiemix von 40 auf 25 Prozent. Kohlekraftwerke in Deutschland und anderen EU-Staaten laufen dagegen wie noch nie zuvor. Die Folge sind steigende klimaschädliche Emissionen.
 
„Gaskraftwerke rechnen sich nicht, bei erneuerbaren Energien herrscht Unsicherheit, weil viele EU-Staaten ihre Vergütungen zurückgefahren haben. Es ist also eine perfekte Situation für Kohle“, sagt GDF-Mann Cirelli. Für ihn läßt sich das Problem nur auf europäischer Ebene lösen. Er fordert etwa einen europäischen Kapazitätsmarkt, der Betreibern eine gesicherte Vergütung für das Bereitstellen von Erzeugungsleistung garantieren würde. 
 
EU-Klimaziele für 2030
Helfen würde auch ein höherer CO2-Preis, der den Betrieb von Kohlekraftwerke unattraktiver machen würde. Der ist allerdings nicht in Sicht. Der Versuch, den Preis durch die Herausnahme von Verschmutzungs-Zertifikaten nach oben zu treiben, ist Ende April im EU-Parlament gescheitert. 
 
Die als Backloading bezeichnete Maßnahme reicht laut EU-Kommissar Günther Oettinger ohnehin nicht aus. „Für Gaskraftwerke entsteht ein Preissignal erst ab 40 Euro pro Tonne.“ Mit Backloading könnte der Preis nach Meinung von Experten lediglich von derzeit drei auf maximal neun bis zehn Euro pro Tonne Kohlendioxid angehoben werden.
 
Gaslieferverträge laufen aus
Der Druck auf die EU, schärfere Klimaschutzziele für die Zeit nach 2020 zu erlassen, wächst. „Wir brauchen mindestens 30 Prozent weniger Emissionen bis 2030“, fordert etwa die grüne Europaabgeordnete Rebecca Harms. 
 
Michael Süß, Chef der Energiesparte von Siemens, plädiert für einen anderen Ansatz. Er fordert, analog zur Automobilindustrie, für alle Kraftwerke Emissionsvorgaben zu erlassen. Über diesen Weg ließen sich Investitionen in saubere Technologien anreizen.
 
Hoffnung macht den Betreibern von Gaskraftwerken auch Fatih Birol, Chef-Ökonom der internationalen Energieagentur. „In den kommenden Jahren laufen zwei Drittel der Gaslieferverträge in die EU aus“, sagt Birol. Es bestehe also für viele EU-Staaten die Chance, günstige Konditionen auszuhandeln.
 

 

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Karsten Wiedemann
Keywords:
EU | Gaskraftwerke | Kapazitätsmärkte | IEA | Fatih Birol | EU-Kommission | GDF Suez
Ressorts:
Markets

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