Der im Sommer 2011 besiegelte Atomausstieg der Bundesregierung führt beim Großhandelspreis für Strom nur zu geringen Preissteigerungen von 0,2 bis 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Der Börsenpreis für eine Kilowattstunde wird 2020 voraussichtlich zwischen 5,1 und 6 Cent liegen, berechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus Berlin im Auftrag von Greenpeace. „Es sind keine Preisexplosionen zu erwarten“, kommentiert Professorin Claudia Kemfert. Sie ist Co-Autorin der Studie und Leiterin des Energiebereichs am DIW.

Die Umlage nach Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) und Netzentgelte seien preissteigernde Faktoren für Haushaltskunden, die bei der Untersuchung nicht berücksichtigt wurden, sagt Kemfert vor Journalisten in Berlin. Privatkunden zahlen derzeit rund 24 Cent pro Kilowattstunde; der Börsenpreis macht nur rund ein Drittel des Endkundenpreises aus. „Der Strompreis ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gestiegen, als die EEG-Umlage“, analysiert die DIW-Expertin. Es gebe also weitere Preistreiber neben der Ökostrom-Umlage.

Die Studie unterstellt dabei einen konstanten Stromverbrauch und in einem zweiten Szenario eine um zehn Prozent steigende Nachfrage. „Ein möglicher Strompreisanstieg kann durch Energieeffizienzverbesserungen deutlich abgemildert werden", erklärt Claudia Kemfert. Die Forscherin rät deshalb dringend dazu, die EU-Effizienzrichtlinie für Energie umzusetzen.

„Der Stromverbrauch in Deutschland muss durch gesetzliche Vorgaben endlich gesenkt werden – das ist zentraler Bestandteil der Energiewende", fordert Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace. Wenn unsere Strompreise steigen, sei nicht der Atomausstieg, sondern Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) schuld, so Schinerl. Der erledige nicht seine Hausaufgaben im Bereich Energieeffizienz.

Kernkraftwerk Brokdorf bleibt voraussichtlich bis 2021 am Netz – dann ist Schluss. (Gabriele Planthaber, Pixelio.de)