Flüssigerdgas
04.06.2019

Keine Powerpacs zur Stromversorgung im Hamburger Hafen

Foto: iStock
Liegt ein Schiff im Hafen, liefert für gewöhnlich ein Dieselmotor den Bordstrom.

Schiffe lassen während der Liegezeit im Hamburger Hafen die Motoren laufen, um Strom zu produzieren. Die Luftbelastung ist hoch. Gasbetriebene Generatoren sollten abhelfen – doch die Pläne sind vom Tisch.

Hamburg beschafft vorerst keine sogenannten Powerpacs zur Stromversorgung von Containerschiffen im Hafen. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bürgerschaftsfraktion hervor. Demnach hat ein Pilotversuch am Container Terminal Burchardkai ergeben, dass "derzeit auf Seiten der Reedereien noch keine Bereitschaft zum regelhaften Einsatz von PowerPacs" erkennbar ist. Zuvor hatte der NDR darüber berichtet.

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Bei den Powerpacs handelt es sich um mobile Stromgeneratoren, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben werden und erheblich weniger Schadstoffe ausstoßen als Schiffsmotoren. Ursprünglich war im Luftreinhalteplan des Senats die Anschaffung von bis zu neun solcher in Containern montierter Generatoren geplant.

Senat verweist auf Reedereien

"Mit seiner derzeitigen Politik in Sachen Innovation für Luftreinhaltung gibt der rot-grüne Senat ein chaotisches Bild ab", kritisierte FDP-Fraktionschef Michael Kruse am Dienstag die Abkehr von den Plänen. "Umweltsenator (Jens) Kerstan (Grüne) hat im Luftreinhalteplan vollmundige Versprechungen gemacht, die er offenbar nicht halten kann."

Den Nicht-Einsatz der PowerPacs könne man auch nicht den Reedereien in die Schuhe schieben. "Wer Innovationen vorantreiben möchte, der muss für die richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen sorgen."

Der Senat hatte in seiner Antwort darauf verwiesen, dass der Einsatz der Generatoren nur möglich sei, "wenn zusätzlich zu den bestehenden Anlagen notwendige bauliche und rechtliche Voraussetzungen durch die Reedereien geschaffen werden, wie z. B. die Zustimmung von Klassifizierungsgesellschaft, Flaggenstaat und Versicherung."

Ökostrom statt LNG

Der Senat setzt nun bei der Luftreinhaltung im Hafen auf den Bau weiterer mit Öko-Strom betriebener Landstromanlagen. "Die Nutzung von Ökostrom durch Seeschiffe würde im Vergleich zur Nutzung von LNG auch die CO2-Emissionen der Seeschifffahrt während der Liegezeit erheblich senken und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten." Entsprechende Planungen sollen der Bürgerschaft in der zweiten Jahreshälfte vorgelegt werden.

Am Kreuzfahrtterminal Hamburg-Altona gibt es seit 2016 eine Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe, die wegen der hohen Kosten bisher aber nur wenig genutzt wird. Mitte Mai hatte die Bundesregierung einer lange von der Stadt geforderten Reduzierung der EEG-Umlage für Landstrom zugestimmt, wodurch die Kosten erheblich sinken werden. Neben dem Bau einer weiteren Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe in der Hafencity will Hamburg auch eine umfangreiche Landstromversorgung für Containerschiffe aufbauen.

Lesen Sie auch: LNG - Ein Kraftstoff sucht seinen Markt

dpa
Keywords:
Schifffahrt
Ressorts:
Technology

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