Online-Debatte zum Solarstreit
03.12.2012

Kemfert: „Strafzölle sind ein zweischneidiges Schwert“

Foto: Sabine Braun

Soll die EU-Kommission chinesische Solarmodulhersteller wegen vermeintlichen Dumpings mit Strafen belegen? Wir haben nachgefragt. In einem Beitrag für BIZZ energy today warnt die Energieökonomien Claudia Kemfert vor den Folgen eines Handelskrieges mit China.

Der internationale Photovoltaik-Markt leidet noch immer unter massiven Überkapazitäten und einem massiven Preisverfall der Produkte. Gegen das Preisdumping chinesischer Hersteller geht nun das US-Handelsministerium mit Strafzöllen vor. Der Vorwurf aus den USA lautet, dass China Preisdumping betreibe und durch ungerechtfertigte Subventionen einen Preisverfall antreibt, der unter Herstellungskosten liege. Auch Europa prüft ein solches Verfahren. Es geht vor allem um faire Marktbedingungen. Strafzölle sind jedoch ein zweischneidiges Schwert.

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Auf der einen Seite können Strafzölle mögliche Ungleichgewichte beheben und der heimischen Wirtschaft helfen, am Markt bestehen zu bleiben. Andererseits ist es aber so, dass Strafzölle schnell sehr negative wirtschaftliche Wirkungen erzielen können. Europas und auch Deutschlands Wirtschaft profitieren sehr stark von dem Handel mit China. Die Nachfrage nach Solarenergie ist nach wie vor groß. Ein möglicher „Handelskrieg“ mit China würde sich negativ auf viele andere wichtige Wirtschaftsbereiche mit China auswirken. Insbesondere deutsche Anbieter von qualitativ hochwertigen und innovativen Solaranlagen sollten Chancen bekommen, sich ebenso in den asiatischen Märkten gleichwertig im Markt positionieren zu können.

Der Wettbewerb um preiswerte Modulproduktion und die damit verbundene Kostensenkung ist auch ein großer Vorteil insbesondere für die Zuliefer- Branche und letztendlich auch die Verbraucher. Es muss darum gehen, dass alle Unternehmen überall auf der Welt gleiche Marktchancen bekommen. Das Einführen von Strafzöllen kann nur als „Warnschuss“ verstanden werden, nämlich für faire Marktbedingungen zu sorgen - weltweit.

Prof. Dr. Claudia Kemfert ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

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Karsten Wiedemann
Keywords:
BIZZ-Exklusiv | Solarstreit | EU-Kommission | Claudia Kemfert | Solarenergie | China | Strafzölle
Ressorts:
Governance | Markets

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