Kemfert sagte dem Inforadio vom RBB, private Haushalte dürften nicht einseitig belastet werden. Es sei zwar sinnvoll Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stünden und hohe Stromverbräuche hätten, von den Kosten für die Energiewende auszunehmen. „Im Moment werden aber nicht nur diese Unternehmen befreit, sondern noch sehr viel mehr“, sagte die Energieökonomin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Sie sprach sich dafür aus, Ausnahmen stärker an Energieeffizienzmaßnahmen zu koppeln. „Beim Strom sind wir mit der Energiewende schon relativ weit, das Thema Energieeffizienz haben wir dagegen bisher stiefmütterlich behandelt.“ Dies gelte sowohl für die Industrie als auch für den Gebäudesektor.

Angesichts steigender Energiepreise forderte Kemfert, Verbraucher bei den Kosten für Heizen und Mobilität zu entlasten. Zum Jahreswechsel haben viele Energieversorger ihre Strompreise erhöht. Sie begründen dies mit der gestiegenen Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Umlage stieg von 3,5 auf über 5 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde. Ein Durchschnittshaushalt muss pro Jahr 156 Euro mehr für Strom ausgeben. Der bayrische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) forderte eine grundlegende Reform des EEG. Dies habe sich als „untauglich erwiesen". Er plädierte zudem für eine Abschaffung der Stromsteuer.

Der Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, sprach sich gegenüber BIZZ energy today dafür aus, einkommensschwache Haushalte beim Kauf energieeffizienter Haushaltsgeräte zu unterstützen. „Wir müssen den Energieverbrauch auf breiter Front senken", so Flasbarth.

 

(Foto: Elmar Degenhart)