Photovoltaik
13.01.2020

Kleiner Solarboom in Polen

Foto: iStock
Die Solarstromanlage auf dem eigenen Dach lohnt sich für viele polnische Hausbesitzer.

Mit Finanzhilfen will EU-Kommissionschefin von der Leyen auch skeptische Länder für ihren „Green Deal“ gewinnen. Vor allem Polen hält bislang an der Kohle fest – erlebt aber auch einen kleinen Aufschwung der Solarenergie.

Von einem Ausstieg aus der Kohle wie in Deutschland ist Polen Lichtjahre entfernt. Warschau blockiert bislang die ambitionierten Pläne der EU, bis 2050 klimaneutral zu werden. Mit Hilfe eines milliardenschweren Fonds soll die polnische Politik umgestimmt werden – doch nur wenige Politiker in Brüssel glauben offenbar an einen Erfolg des Deals.

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Ungeachtet der Kohlefixierung bahnt sich im Nachbarland ein kleiner Solarboom an. In der wichtigsten Ausschreibung Polens für erneuerbare Energien im Dezember 2019 konnte sich die Solarenergie mit einer zusätzlichen Leistung von 0,9 Gigawatt (GW) recht gut neben der Windkraft mit 2,2 GW behaupten. Dabei wurden bei allen Erneuerbaren Preise erreicht, die unter den aktuellen Stromproduktionskosten in Polen liegen.

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Und auch deutsche Unternehmen mischen hier mit: Einer der erfolgreichen Bieter war mit 42 bezuschlagten Projekten und einer installierten Leistung von zusammen 42 Megawatt (MW) das polnische Tochterunternehmen von Innogy, Innogy Renewables Polska. Damit weitet Innogy das Engagement in Polen deutlich aus. Zuvor entstanden schon acht Onshore-Windparks von Innogy Renewables Polska mit einer Leistung von 240 MW.

Wachsende Bedeutung der Klimapolitik

Der Energieexperte und Chefredakteur des Fachportals WysokieNapiecie, Bartłomiej Derski, sagt für das laufende Jahr eine deutliche Zunahme großer Solarkraftanlagen voraus. Die kleineren Photovoltaikanlagen boomen bereits einige Jahre. So wurden seit Anfang 2017 insgesamt 12.000 von ihnen in Polen installiert. „Ich habe bei den kleinen Solaranlagen mehr Nachfragen, als ich überhaupt bewältigen kann“, sagt auch Seweryn Baranek, Kundenbetreuer von Geo-Solar. Das Unternehmen hat sich auf Energieberatung und die Installation von Solaranlagen spezialisiert.

Die Stromerzeugung in Polen wird nach wie vor mit über 70 Prozent von der Kohle dominiert. Zeitgleich ist der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen auf 19,2 Prozent gestiegen. Die wachsende Bedeutung der Klimapolitik, die sich auch in Polen in Klimaprotesten ausdrückt, sowie der wachsende Druck auf die polnische Energiewirtschaft durch die steigenden Ausgaben für CO2-Emmisionszertifikate, haben zumindest bei Teilen der polnischen Regierung zu einem Umdenken geführt.

Auf Haushalte ausgerichteter Ansatz

Ein Beispiel ist die Ministerin für Unternehmertum und Technologie, Jadwiga Emilewicz. Sie will, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien für die Bürger mit einem realen Zugewinn beim Haushaltseinkommen verbunden ist. Dadurch werde, so die Ministerin, auch in Polen eine breite Akzeptanz für die Energiewende erreicht, die es möglich mache, die ökonomischen und sozialen Kosten des Ausstiegs aus der Kohle zu bewerkstelligen.

So ein auf die einzelnen Haushalte ausgerichteter Ansatz bei den erneuerbaren Energien wurde nicht nur in Polen verwirklicht, sondern auch in vielen anderen Ländern Mittelosteuropas. Litauen hat bis dato die besten Ergebnisse damit erzielt. Innerhalb einer Dekade profitierten knapp 35.000 Litauer von einer dynamischen Entwicklung der erneuerbaren Energien. Inzwischen gewinnt Litauen fast 30 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus regenerativen Quellen und liegt damit über dem EU-Ziel von 23 Prozent für das Jahr 2020.

Solarstromförderprogramm „Mój Prąd“

Erfolgsmeldungen wie diese lässt die polnische Energiepolitik so bald nicht erwarten. Aber die neusten Zwischenergebnisse des kürzlich angelaufenen Solarstromförderprogramms „Mój Prąd“ (mein Strom) sind positiv. Zwischen dem 1. September und dem 6. Dezember 2019 wurden knapp 13.500 neue Photovoltaikanlagen gefördert und damit die Erwartungen übertroffen. Die Regierung möchte das Förderprogramm mindestens zwei weitere Jahre betreiben und zusätzlich eine weitere Milliarde Zloty (250 Millionen Euro) dafür ausgeben. Die vielen Anträge lassen darauf schließen, dass am Ende der Laufzeit immerhin rund 200.000 polnische Familien direkt von der Sonnenenergie profitieren werden.

Das Programm basiert auf einer Zuzahlung für kleine Solaranlagen auf privaten Hausdächern. Zusätzlich zur direkten Förderung gibt es steuerliche Vorteile. Darüber hinaus ist der Zugang zu günstigen Krediten erleichtert worden. Die Nutzer konsumieren den erzeugten Strom in erster Linie selbst, auch für die Warmwasseraufbereitung. Der Rest fließt an den Netzbetreiber und kann zum späteren Zeitpunkt wieder abgerufen werden. „Die Menschen möchten auch einfach Anteil an einer Innovation haben. Es schon etwas Eitelkeit dabei“, sagt Baranek. Die kleinen Anlagen seien finanziell keine besonders hohe Belastung und bedürften keines Umbaus am Haus, was die Entscheidung erleichtere.

Onshore stockt auch in Polen

Bartłomiej Derski geht davon aus, dass bereits im Sommer dieses Jahres die geförderten Anlagen mit rund 31,5 MW Leistung zur Entlastung der polnischen Stromerzeugung beitragen werden. Auch mehr große Solarprojekte mit Leistungen von über 40 MW erwartet er. Im Gegensatz dazu geriet 2019 das Onshore-Geschäft auch in Polen ins Stocken. Seit 2016 müssen große Windräder Abstände von bis zu 3000 Metern zu Wohngebäuden und Naturschutzgebieten einhalten. Damit gibt es kaum noch Möglichkeiten, sie aufzustellen. Deutlich besser sieht es für die Offshore-Windkraft aus. Das polnische Energieministerium erwartet, dass bis zum Jahr 2035 in der polnischen Ostsee Windparks mit einer Gesamtleistung von 8 GW entstehen werden.

Das alles sind noch immer überschaubare Zubauzahlen für die Erneuerbaren im Kohleland. Fraglich ist auch, ob es Ursula von der Leyen mit EU-Hilfen gelingt, die Osteuropäer im Kampf gegen den Klimawandel an Bord zu holen. Der kleine Solarboom macht zumindest ein bisschen Hoffnung auf einen Wandel in Polen.

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Aleksandra Fedorska
Keywords:
Solarenergie | Photovoltaik | Polen
Ressorts:
Governance | Markets
 

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