Batterien, Wasserstoff-Brennstoffzellen und Oberleitungen sollen Lkw und andere Nutzfahrzeuge in eine klimafreundliche Zukunft steuern - und der Staat will kräftig nachhelfen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will dazu CO2-arme Antriebe technologieoffen zu fördern und viel Geld in die notwendige Infrastruktur stecken.  Am Mittwoch sprach der Minister mit Branchevertretern und legte ein Konzept vor.

Neue EU-Vorgaben für den Klimaschutz setzen Lkw-Bauer und Logistikunternehmen unter Druck. Aber anders als bei Pkw gibt es aus Sicht der Branche vor allem im Schwerlastverkehr noch keine gute Alternative zum Diesel. Der Wandel ist mühsam und könnte Tausende Jobs kosten. Dazu kommen konjunkturelle Unsicherheiten in der Corona-Krise.

Um das abzufedern, will der Staat nun viel Geld ausgeben: Bis 2023 stehen für die Förderung alternativer Antriebe bei Nutzfahrzeugen rund 1,16 Milliarden Euro zur Verfügung, für den Ausbau der Tank-, Lade- und Oberleitungsinfrastruktur rund 4,1 Milliarden Euro - das schließt Ladestationen für Pkw allerdings mit ein. Scheuer will zunächst zwischen dem Langstreckenverkehr mit schweren Lkw sowie leichteren Nutzfahrzeugen und Lieferverkehr unterscheiden. Es werde nun in Projektgruppen weiter gesprochen.

Angst vor doppelter Belastung

Der Verkehrsminister will bei der EU für eine Reform der Lkw-Maut werben, die den Klimaschutz voranbringt. "Erstmalig wird ein vom CO2-Ausstoß abhängiger Aufschlag auf die Lkw-Maut erhoben», heißt es dazu im Konzept. Lkw, die nur wenig oder gar kein CO2 emittieren, sollen bis zu 75 Prozent weniger als die emissionsstärksten Fahrzeuge zahlen. Ziel sei eine Einführung 2023. Dafür wolle man sich auf EU-Ebene einsetzen.

Um die Branche nicht doppelt zu belasten, könnten Spediteure von dem Anstieg der Spritpreise, den der CO2-Preis von 2021 in Deutschland bringen soll, entlastet werden. Nach Scheuers Darstellung sei die Bundesregierung sich da einig.

Für Oberleitungs-Lkw, die mit Strom fahren und an mehreren Orten schon getestet werden, sollen weitere Test- und Pilotstrecken aufgebaut werden, insbesondere auf regional besonders stark genutzten Pendelstrecken, heisst es weiter im Konzept. Die nächsten Stufen sollen dann die langfristige Nutzung der Pendelstrecken, der Aufbau eines Kernnetzes und die Anbindung ans Ausland sein.

UBA lehnt eine Lkw-Prämie ab

Vor dem Spitzentreffen hatte Scheuer auch seine Forderung nach einer Abwrackprämie für ältere Lastwagen erneuert - obwohl die Gelder dann in neue Verbrenner fließen würde. Solange es keine massentauglichen großen Lkw mit Batterie oder Brennstoffzellenantrieb gebe, brauche man eine Brücke. "Weil wir auch beim Verbrenner neueste Technologie haben, die absolut eine Verbesserung bedeutet", sagte er dem Sender Bayern 2.

Der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner, lehnt Scheuers Ansinnen rundheraus ab: "Die derzeitig diskutierte Lkw-Prämie kann kurzfristig kaum zum Klimaschutz beitragen", sagte er. Mittelfristig verhindere sie sogar den Umstieg auf emissionsfreie Lkw-Antriebe, denn wer sich jetzt mit staatlicher Förderung einen Diesel-Lkw kaufe, werde in wenigen Jahren kaum einen Elektro-Lkw kaufen. Zudem würden relativ wenig Treibhausgase eingespart, selbst wenn theoretisch alle älteren Lkw gegen neuere eingetauscht würden.

Beim Daimler-Konzern sollen in der Truck-Sparte spätestens 2039 die Neufahrzeuge CO2-neutral sein. Der Konzern plant eine zweigleisige Strategie: Batterie für kürzere Strecken mit leichter Ladung, Brennstoffzelle für schwere Langstrecken-Lkw. Von der Oberleitungstechnik hingegen hält der Konzern nicht viel.

Daimlers Truck-Chef Martin Daum sagte der dpa, der Aufbau einer Lade-Infrastruktur für Batterie und Brennstoffzelle sei eine derart gewaltige Aufgabe, dass sie die Politik unterstützen sollte. "Wir sollten uns als Volkswirtschaft deshalb nicht auch noch zusätzliche Technologien wie LNG/Erdgas und Oberleitung leisten, denn das sind teure Sackgassen." Dagegen forderte Dirk Engelhardt vom Logistik-Bundesverband BGL ein «klares Statement für das Flüssiggas LNG, weil da schon viel investiert worden sei.

jst/dpa

Ab 2024 sollen Oberleitungs-Lkw, wie sie derzeit in Hessen getestet werden, aus der Erprobung in den so genannten Markthochlauf wechseln, heißt es im Konzept des Ministeriums (Copyright: HessenMobil)