S&P-Experte im Interview
08.03.2018

"Klima-Aspekte werden bei Ratings wichtiger"

Foto: Creative Commons/U.S. Army/Zachary West
Überschwemmung nach dem Hurrikan Harvey im US-Bundesstaat Texas

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P Global Ratings) bewertet zunehmend, wie Umwelt- und Klimaveränderungen auf die Bonität von Unternehmen wirken. Michael Wilkins, der Leiter der S&P-Klimarisiken-Analyse, drängt die Firmen zu Transparenz.

bizz energy: Herr Wilkins, scheren sich Unternehmen wirklich um Risiken, die ihnen aus der Klimaerwärmung entstehen?

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Konkrete Schlüsse zu ziehen, ist noch schwierig. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass Unternehmen anfangen, Umwelt- und Klimarisiken zu managen - und dass sie von den Möglichkeiten der Energie-Umstellung profitieren. In unserer Analyse von Mitte 2013 bis Mitte 2015 fielen nur 21 Prozent der Ratingentscheidungen auf Basis von Umwelt- und Klimafaktoren positiv aus. Von den 106 entsprechenden Ratingentscheidungen zwischen Mitte 2015 und Mitte 2017 waren dagegen 44 Prozent positiv - das ist mehr als eine Verdopplung.

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Wie interpretieren Sie diesen Anstieg?

 

Die Mehrheit der Ratingentscheidungen mit Klima-Hintergrund geht zwar noch in die negative Richtung. Die steigende Zahl positiver Ratingschritte könnte aber bedeuten, dass Unternehmen sich nicht nur daran gewöhnen, Umweltrisiken zu mindern, sondern auch häufiger klimabezogene Chancen ergreifen.

 

Welche Wirtschaftszweige sind Umwelt- und Klimarisiken am stärksten ausgesetzt?

 

Michael Wilkins leitet die Umwelt- und Klimarisikenbewertung
der Ratingagentur S&P Global. Foto: S&P
Der Löwenanteil unserer 106 klimarelevanten Ratings lag in der ölverarbeitenden und -vertreibenden Industrie, bei staatlich regulierten Energieversorgern und im nichtregulierten Strom- und Gassektor. Das ist vermutlich nicht überraschend, denn Umweltvorschriften und Wetterereignisse wirken sich in diesen Sektoren stärker auf die Kreditwürdigkeit aus. Klima- und Umweltrisiken findet man aber in vielen Wirtschaftszweigen. Deshalb fließen sie in unsere Bewertungskriterien für die meisten Industrien ein.

 

Wie stark verändern diese Risiken die Kreditwürdigkeit?

 

Zwischen Mitte 2015 und Mitte 2017 hat S&P Global Ratings fast 9000 Lageberichte veröffentlicht. Bei 717 davon spielten Klima- und Umweltfaktoren eine wesentliche Rolle. Solche Faktoren kommen in unseren Analysen immer regelmäßiger zum Einsatz. Daraus kann man folgern, dass Klima-Aspekte bei globalen Ratings von Unternehmen wichtiger werden. 106 von den 717 Lageberichten führten Klima- und Umweltrisiken oder -chancen als Hauptgrund für die Ratingentscheidung auf, also für eine Veränderung des Ratings, des Ausblicks oder für den Beobachtungsstatus CreditWatch.

 

Viele Unternehmen lassen sich bei solch heiklen Themen nicht in die Karten schauen. Wie sollten sie sich verhalten?

 

Wir möchten gern umfassende, beständige und vergleichbare Finanzauskünfte zu klimarelevanten Risiken sehen. Die Transparenz-Initiative Task Force on Climate-related Financial Disclosures hat dafür eine freiwillige Rahmenvereinbarung entwickelt. Wenn sich ihr viele Unternehmen anschließen, sollte das eine genauere Ratinganalyse ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Klimarisiken möglich machen - ihrer klimabezogenen Chancen übrigens auch. Umgekehrt bekommen Teilnehmer Zugang zu wertvollen Informationen über die Wirkung des Klimawandels auf den Finanzsektor.

 

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Christian Schaudwet
Keywords:
Klimawandel | Klimarisiken | Bonität | Ratingagentur
Ressorts:
Finance

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