Klimaschutz
17.05.2016

Klimadiplomaten basteln an Regelwerk für Pariser Abkommen

Foto: Christian Wolf
Der Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn.

In Bonn wird seit Pfingstsonntag über die technischen Details des im Dezember in Paris verabschiedete Klimaabkommens verhandelt.

 

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Sechs Monate nach dem als historisch gefeierten Pariser Klimaabkommen verhandeln Diplomaten noch bis zum 26. Mai über das Regelwerk zur Erreichung der Klimaschutzziele. Das erste Treffen nach der Pariser Konferenz gilt als Test, ob die Aufbruchstimmung aus den internationalen Verhandlungen im Dezember vergangenen Jahres tatsächlich anhält.

Sönke Kreft von der Nichtregierungsorganisation Germanwatch zeigt sich nach dem ersten Verhandlungstag am Dienstag optimistisch: „Das Pariser Abkommen wird von keinem Land in Frage gestellt“, sagt er. Auch bei den traditionellen Bremsern in den internationalen Klimaverhandlungen wie Saudi-Arabien gelte der Pariser Klimavertrag als gesetzt. Kreft hält es deshalb für „durchaus plausibel“, dass das Abkommen bereits in diesem Jahr oder früh nächstes Jahr in Kraft tritt. Dafür müssen mindestens 55 Länder, die zusammen mehr als 55 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen ausstoßen, den Vertragstext ratifizieren, also in jeweils national geltendes Recht umsetzen. 

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Noch liegt das Ziel zwar in weiter Ferne: Aktuell haben laut Ratification Tracker des Berliner Klimainstituts Climate Analytics 16 Länder mit einem Ausstoß von 0,04 Prozent der Emissionen das Abkommen unterzeichnet. Weitere 17 Länder mit insgesamt 51 Prozent der Emissionen haben jedoch versprochen, noch in diesem Jahr zu folgen, darunter die großen Emittenten China, die USA und  Kanada. Die letzten vier Prozent der erforderlichen Emissionen seien dann auch noch zu schaffen, prognostiziert Kreft. Das wäre der Fall, wenn sich beispielsweise Russland, Indien oder Japan anschließen. 

Im April hatten Spitzenpolitiker aus 176 Staaten bei einer feierlichen Zeremonie in New York ihre Unterschrift unter den multilateralen Vertrag gesetzt – so viele hatten nie zuvor einen internationalen Klimavertrag unterzeichnet.

 

Klimafinanzierung bleibt heißes Thema

In Bonn steht in diesen Tagen auch die Klimafinanzierung ganz oben auf der Agenda. Die Industrienationen hatten sich in Paris dazu verpflichtet, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Schwellen-und Entwicklungsländer zu zahlen, um sie im Kampf gegen die Klimafolgen wie Dürre und Überschwemmung zu unterstützen. Bei der Bonner Konferenz wollen die Verhandler festlegen, wie das Geld an die Nehmerländer verteilt werden soll. Hierbei sieht Jan Kowalzig von der NGO Oxfam Deutschland in der Pflicht: „Gerade die Bundesregierung, die sich international gerne als Vorreiter bei den Klima-Hilfen darstellt“ solle sich bei der Aufstellung eines Fahrplans bis 2020 beteiligen, fordert er.

Die Klimafinanzierung soll auch bei der nächsten Klimakonferenz in Marrakesch im November eine große Rolle spielen, kündigte Marokkos Außenminister und der Präsident des kommenden Gipfels, Salaheddine Mezouar, am Sonntag an. Bisher füllen sich die Töpfe der dafür vorgesehenen Klimafonds nur langsam. Der 2009 von der UN ins Leben gerufene grüne UN-Klimafonds hatte beispielsweise zuletzt mit zu wenig Personal und bürokratischen Hürden zu kämpfen

Jana Kugoth
Keywords:
UN | Bonn | Klimasekretariat | Pariser Klimaabkommen | Pariser Klimagipfel | Industrienationen | Schwellenländer | Klimafinanzierung
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