Verdrängt die Corona-Pandemie die Klimakrise aus der öffentlichen Wahrnehmung? Offenbar nicht, wie der schwedische Energiekonzern Vattenfall in einer Studie aufzeigt: Zwar nimmt die Sorge der Menschen hinsichtlich Epidemien und wirtschaftlicher Rezession stark zu. Doch fast ein Drittel (28 Prozent) der über 14.000 Befragten in Vattenfalls Kernmärkten Schweden, Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Finnland, Frankreich und Großbritannien gaben an, dass sie den Klimawandel heute als das drängendste globale Problem betrachten.

Bereits im Dezember 2019 hatte Vattenfall die Haltung und Emotionen zum Klimawandel  untersucht. Demnach wurde der Klimawandel als das wichtigste Problem weltweit angesehen – noch vor allen anderen globalen Themen wie Armut, Krieg oder wirtschaftlicher Rezession. Die nun veröffentlichte Folgestudie sollte zeigen, ob und wie sich vor dem Hintergrund der weltweiten Pandemie die Ansichten zum Klimawandel geändert haben.

In Deutschland sehen nach wie vor der größte Teil der Befragten den Klimawandel als das drängendste Problem an, auch wenn der Anteil im Vergleich zur ersten Befragung leicht sinkt (von 36 auf 28 Prozent). Ein ähnlicher Trend ist auch in Frankreich zu beobachten. In den meisten anderen europäischen Länder steigt der Anteil sogar leicht an. Und über alle Länder hinweg bezeichnen immerhin 69 Prozent der Befragten sich selbst als "ziemlich" oder "sehr" besorgt.

Klimawandel hat sich als Sorge etabliert

Der Klimawandel hat sich in den Köpfen der europäischen Bürger als dauerhafte Sorge etabliert, folgern die Autoren. Die meisten Befragten seien der Meinung, dass die Klimaschutzverpflichtungen fortgesetzt und intensiviert werden müssen, auch vor dem Hintergrund der Diskussion über politische Programme zur wirtschaftlichen Stabilisierung Europas.

„Die Ergebnisse sollten uns hoffnungsvoll stimmen“, sagt Renée Lertzman. „Sie zeigen, dass sich in Krisenzeiten unsere Sorgen um das Allgemeinwohl in konkrete Taten umgewandeln lassen – wenn wir uns als Teil von etwas sehr viel Größerem fühlen“, so die amerikanische Psychologin, die für Vattenfall gearbeitet hat. Bei einer Online-Diskussion zur Präsentation der Studie betont sie das Paradoxon, dass gerade in Zeiten eines kollektiven Traumas die Menschen aktiv werden. Ängste und Sorgen über den Klimawandel könnten selbst inmitten einer weltweiten Pandemie zum Handeln motivieren. Die Psychologin geht sogar soweit, diesen Wendepunkt als „kreativen Moment der Menschheit“ zu bezeichnen.

Auftragsstudie will Hoffnung verbreiten

Hoffnung in die Debatte tragen – das war sei auch der Sinn der Studie, wie der Auftraggeber im Laufe der Online-Diskussion zugibt: „Es ist klar, dass unsere Haltung zum Klimawandel auch im Rahmen einer weltweiten gesundheitlichen Notlage unverändert bleibt“, sagt Vattenfall-Chef Magnus Hall. Vattenfall setze sich voll und ganz dafür ein, innerhalb einer Generation ein Leben ohne fossile Brennstoffe zu ermöglichen. Dies seien keine leeren Worte, verspricht Hall.

Dabei gibt es für Vattenfall noch viel zu tun. Der schwedische Staatskonzern ist seit 1996 international tätig und war einmal einer der größten Braunkohleförderer. Dann erfolgte der Strategiewechsel. 2016 hat Vattenfall sich von der ostdeutschen Braunkohle getrennt und die Kraftwerke sowie Tagebaue an die tschechische EPH verkauft.

Doch weitere Altlasten wie das Steinkohlekraftwerk Moorburg in Hamburg werden zunehmend zum Problem. Hierfür musste der Konzern im ersten Halbjahr fast eine Milliarde Euro abschreiben, was erheblich zum Konzernverlust von gut 150 Millionen Euro beitrug.

 „Für Moorburg suchen wir eine Lösung“

Das Steinkohlekraftwerk Moorburg ging 2015 trotz aller Proteste ans Netz, um das vorherige Gaskraftwerk zu ersetzen. Moorburg war im vergangenen Jahr verantwortlich für über sechs Millionen Tonnen CO2 und gilt als eine der größten Treibhausgasquellen Deutschlands.

„Für Moorburg suchen wir eine Lösung“, sagt Hall auf Nachfrage von bizz energy. Geprüft würden verschiedene Möglichkeiten für einen verantwortlichen Umgang mit dem Kraftwerk. Dies können auch eine Umrüstung auf andere Kraftstoffe sein. Spekuliert wird auch immer wieder über einen Verkauf der umstrittenen Anlage.

Die Psychologin Lertzman sieht Manager wie Hall derweil in der Pflicht: Die Studie zeige die klare Erwartungshaltung der Befragten an Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft, sich langfristig sinnvoll in Sachen Klimaschutz zu engagieren. Lertzman fordert Führung von den Verantwortlichen. Inwieweit sich der Vattenfall-Chef noch angesprochen fühlt, bleibt offen – Magnus Hall verlässt nach sechs Jahren an der Konzernspitze zum Ende des Jahres das Unternehmen.

 

Das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg von Vattenfall.
Das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg wird für den Energiekonzern Vattenfall inzwischen zum Millionengrab. (Copyright: Ajepbah / CC-BY-SA-3.0 DE)