Emissionshandel
19.05.2016

Klimaschutz: Chinas Aufholjagd

Fotos: WIkipedia
Chinas Staatspräsident hat einen landesweiten Emissionshandel ab 2017 angekündigt.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping will 2017 einen landesweiten Emissionshandel einführen. Ob damit tatsächlich der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase reduziert wird, bleibt abzuwarten.

 

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Auf dem Parkett der Klimadiplomatie plant Chinas Staatspräsident Xi Jinping seinen nächsten großen Auftritt. Für das Jahr 2017 hat er den Startschuss für einen landesweiten Emissionshandel (ETS) nach europäischem Vorbild angekündigt.  „Dabei handelt es sich zunächst um eine Testphase“, erklärt Constanze Böning. Sie leitet das von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit vier Millionen Euro geförderte Projekt zur Einführung des Systems bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Böning ergänzt: „Der eigentliche Handel bedarf dieser Erprobungsphase und funktioniert vollständig voraussichtlich erst ab 2020.“

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Ob und wann ein landesweiter CO2-Zertifikatehandel in China tatsächlich den Klimaschutz beflügelt, muss sich also noch zeigen. „Am Anfang wollen die Chinesen den ETS erst einmal überhaupt ins Laufen bringen“, dämpft Böning die Erwartungen. Das sei beim Vorbild Europa jedoch nicht anders gewesen. Auch hier haben zu Beginn die technischen Details sowie der Aufbau einer Datenbasis im Vordergrund gestanden. Erst seit der ab 2013 laufenden dritten Handelsperiode gelten europaweit wirklich die gleichen CO2-Obergrenzen und Regeln.

Die EU-Kommission hat bereits 2005 den Handel mit CO2-Zertifikaten eingeführt. Er gilt als wichtigstes Klimaschutzinstrument und soll die Klimagase der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie reduzieren. Derzeit deckt er die Hälfte aller europaweiten Emissionen und funktioniert nach dem sogenannten Cap-and-Trade-Prinzip: Über den Zeitraum einer Handelsperiode wird festgelegt, wie viele Klimagase die emissionshandelspflichtigen Anlagen ausstoßen dürfen. Einigen werden die Berechtigungen kostenlos zugeteilt, andere müssen die Rechte gegen Geld an der Energiebörse erwerben.

Peking erprobt den Handel mit Emissionszertifikaten derzeit in fünf Städten und zwei Provinzen, darunter in Shanghai und der Hightech-Stadt Shenzen. Die Testregionen haben allerdings bislang sehr unterschiedliche Ergebnisse geliefert. Ein einheitlicher Preis für die Tonne CO2 hat sich nicht herausgebildet, er schwankt zwischen 70 Eurocent und knapp sieben Euro. Voraussichtlich wird er bei der Einführung des landesweiten Systems knapp unter der Obergrenze bei etwa 5,30 Euro liegen und soll dann kontinuierlich steigen. Das hat eine Analyse der Nichtregierungsorganisation China Carbon Forums 2015 ergeben.

Beteiligt werden alle Unternehmen, die mindestens 10.000 Tonnen CO2 ausstoßen und aus den Industriesektoren Energie, Chemie, Beton, Stahl, Zement, Papierindustrie, Metall-Industrie und der zivilen nationalen Luftfahrt stammen.

 

Europas Fehler vermeiden

Chinas Staatspräsident will bei seiner Klimaschutzoffensive die Fehler des strauchelnden ETS-Systems in Europa vermeiden. Mit drastisch sinkenden Preisen durch ein Überangebot an Zertifikaten sind in der EU zuletzt die ökonomischen Anreize für viele Unternehmen verschwunden, in emissionsarme Technik zu investieren. Darum hat sich die EU Kommission auf die Einführung einer Marktstabilitätsreserve geeinigt, um die Überschüsse am Markt langsam abzubauen. China schaue „sehr genau nach Europa“, sagt Böning. Derzeit wird deshalb diskutiert, gleich von Beginn an eine Reserve wie in Europa einzuführen.

China will also mit rasanter Geschwindigkeit beim Klimaschutz aufholen. Auch die beim Pariser Klimagipfel verkündeten Ziele können sich sehen lassen – und sind von weltweiter Bedeutung. Denn in keinem Land der Erde werden mehr Emissionen ausgestoßen als im Reich der Mitte. Der weltgrößte Energieverbraucher will seine Kohlendioxid-Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2030 um 60 bis 65 Prozent gegenüber 2005 reduzieren. Darüber hinaus soll der CO2-Ausstoß möglichst schon vor 2030 gesenkt werden.

 

Zukunftsmusik: Verschmelzung der Märkte

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks träumt angesichts der Ankündigungen von Chinas Staatspräsident Xi Jinping bereits von einem gemeinsamen europäisch-chinesischen Markt für CO2-Zertifikate. Technisch sei das durchaus möglich, sagt GIZ-Politikberaterin Böning – und werde aktuell schon mitgedacht. „Globale CO2-Märkte werden kommen, aber das wird noch etwas Zeit brauchen“, schränkt sie ein.

Im aktuellen Fünfjahresplan ist sogar die Etablierung eines Systems zum Handel mit Klimaverschmutzung-Zertifikaten auf Wasser und Boden vorgesehen. In dieser Hinsicht würde China dann sogar Europa überholen und vorangehen.

Jana Kugoth
Keywords:
GIZ | China | ETS | Europa | Xi Jinping | Peking | Emissionshandel | energieintensive Industrie | Zertifikate | Boden | Wasser
Ressorts:
Governance

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