Analyse
20.03.2019

Klimaschutz: Gebäudesektor ist Deutschlands Achillesferse

Foto: iStock
Für die energietische Sanierung werden oft mit Wärmebildkameras Fotos vom Gebäude gemacht.

Die Bundesregierung droht bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden zu scheitern. Ein Überblick zum Stand auf der Baustelle.

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„Wir fordern deshalb, die Förderung zu bündeln, sowie attraktiver und weniger bürokratisch zu gestalten“, erklärt Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI. Vor allem, so Lösch, fehle aber eine steuerliche Förderung. Es würde einen echten Anreiz bieten, wenn 30 Prozent der Sanierungskosten über drei Jahre abgeschrieben werden könnten. Das würde zwar zwei Milliarden Euro an Steuereinnahmen kosten, doch wie ein Konjunkturprogramm wirken und an anderer Stelle für Steuerrückflüsse sorgen.

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Doch es fehlen nicht nur wirkungsvolle Anreize für eine Sanierung des alten Gebäudebestands. Noch immer begünstigt der Staat fossile gegenüber erneuerbare Energieträger. "Ökostrom ist im Vergleich mit Erdgas und Heizöl um den Faktor vier stärker mit Steuern und Abgaben belastet“ sagt Hans-Martin Henning, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Dabei wird grüne Energie größtenteils in Form von Strom erzeugt. Das hat fatale Folgen. So fördert der Staat über die Kreditanstalt für Wiederaufbau weiter den Austausch von Gas- und Ölbrennern in Gebäuden – eine wenig nachhaltige Investition. Schließlich müssen auch diese Haushalte bis 2050 auf erneuerbare Energien umsteigen. Dänemark, das Vorzeigeland im Kampf gegen den Klimawandel, hat die Neuinstallation von Öl- und Gasbrennern deshalb verboten.

Systemwechsel nicht in Sicht

Angesichts notwendiger Investitionen von bis zu 2 Prozent der Wirtschaftsleistung im Kampf gegen die Erderwärmung fordert Henning „die Einführung einer wirksamen CO2-Bepreisung aller Energieträger als marktkonformes Steuerungsinstrument.“ Viele der immer unübersichtlicheren Regelungen könnten damit entfallen. „Ein Anfördern gegen die ökonomische Realität falscher Preissignale“, so Henning, „wird nicht gelingen.“ Auch wenn der Systemwechsel aufkommensneutral ist, könnte er für soziale Spannungen sorgen, wie die Gelbwesten-Prostete in Frankreich zeigen. Dena-Mitarbeiter Drinkuth plädiert deshalb für sozialpolitische Gegenmaßnahmen. Sie sollen verhindern, dass finanzschwache Bevölkerungsschichten zu stark belastet werden. 

Statt die Zukunftsaufgaben beherzt anzupacken, beschäftigt sich das federführende Bundeswirtschaftsministerium lieber mit Vergangenheitsbewältigung. Derzeit kursiert im Bundeskabinett  ein „Gesetzentwurf zur Vereinheitlichung des Energieeinsparrechts für Gebäude“, der bizz energy vorliegt. Von einer Umsetzung der EU-Richtlinie oder gar einem Systemwechsel bei der Gebäudesanierung ist hier keine Rede. Vielmehr geht es darum, die zersplitterte und unübersichtliche Gesetzgebung auf diesem Feld zu bündeln. Eine überflüssige Fleißaufgabe. Denn bewirkt hat diese kaum etwas. Jedenfalls viel zu wenig, um die deutschen Klimaziele bis 2050 zu erreichen.

Lesen Sie auch: Deutschland verheizt sich – höchste Zeit für die Wärmewende

Norbert Mühlberger
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Keywords:
Gebäude | Klimaschutz | Wärmewende
Ressorts:
Governance

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