Umweltpolitik
05.04.2019

Klimawandel: Alpenländer wollen ihre Berge schützen

Foto: BMNT / Paul Gruber
Empfang in Innsbruck zur Übergabe des Vorsitzes der Alpenkonvention von Österreich an Frankreich.

Die Alpenstaaten haben mit der „Deklaration von Innsbruck“ ein ehrgeiziges Ziel beschlossen. Bis 2050 soll die Bergregion klimaneutral werden.

Am 5. April haben die Mitgliedstaaten der Alpenkonvention die „Deklaration von Innsbruck“ unterzeichnet. Diese gibt vor, „auf klimaneutrale und klimaresiliente Alpen bis 2050 hinzuarbeiten.“ Die Alpenkonvention ist ein internationales Abkommen zwischen den Alpenländern Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Schweiz, Slowenien und der EU.

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In zwölf Sektoren wollen die Staaten aktiv werden. Energie steht dabei hinter der Raumplanung an zweiter Stelle. Für den Energiesektor stehen fünf Ansatzpunkte im Fokus des Vorhabens: Energieeffizienz; erneuerbare, dekarbonisierte Alpen; dezentrale, nachhaltige Energielösungen; Energiedemokratie und Bürgerbeteiligung; klimasichere Wasserkraft in den Alpen.

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Die Motivation der Staaten ist klar: „Stetig wachsender Nutzungsdruck, Verlust der biologischen Vielfalt, die mittlerweile omnipräsenten Folgen des Klimawandels, aber auch der demographische Wandel machen vor dem Alpenraum nicht halt, sie treffen ihn sogar überdurchschnittlich stark“, sagt die österreichische Ministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Elisabeth Köstinger.

Alpenraum erwärmt sich besonders schnell

Tatsächlich hat sich der Alpenraum nach Angaben des Deutschen Alpenvereins seit dem späten 19. Jahrhundert doppelt so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt, etwa um zwei Grad Celsius. In der „Deklaration von Innsbruck“ steht daher, die Alpenkonferenz fordere alle Vertragsparteien auf, „dem Alpenraum im Rahmen ihrer jeweiligen Klimastrategien und Aktionspläne auf allen Ebenen Priorität einzuräumen.“

Detaillierte, konkrete Ansätze zum Erreichen der Klimaneutralität bleiben den Staaten überlassen. Und da existieren durchaus unterschiedliche Ansichten. So sieht das Teilziel erneuerbare dekarbonisierte Alpen vor, Kohlekraftwerke in der Region bis 2030 stillzulegen. Gaskraftwerke sind als Reserve erlaubt, sofern sie den besten technischen Standards entsprechen.

Hürden auf dem Weg zur Klimaneutralität

Wie das Ziel darüber hinaus erreicht wird, da unterscheiden sich die Ansätze der Mitgliedsstaaten derzeit noch. „Für Deutschland ist Atomstrom keine Alternative“, stellt die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze klar. Ihre französische Kollegin Brune Poirson ist nicht so eindeutig. Die massive Entwicklung erneuerbarer Energien sei klares Ziel in Frankreich, erklärt sie auf Anfrage, und ergänzt „wobei wir auf Versorgungssicherheit achten müssen.“ Der Anteil des Atomstroms im französischen Energiemix werde jetzt erst mal auf 50 Prozent reduziert, könnte demnach aber auch 2050 noch in den Alpentälern durch die Kabel fließen.

Externe Beobachter sehen noch einige Hürden auf dem Weg zur Klimaneutralität. Vor allem müsse die betroffene Bevölkerung sich noch stärker mit der Alpenkonvention identifizieren, fordert Thomas Pseiner, Generalsekretär der Alpen-Adria-Allianz: „Ein alpiner Elfenbeinturm, in dem man sich nur auf Expertenebene versteht, ist wohl nicht zielführend.“

Lesen Sie auch: Wie Mikronetze die Energiewende absichern können

Jochen Bettzieche
Keywords:
Klimawandel | Alpen | Umweltpolitik
Ressorts:
Governance

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