Münchner Sicherheitskonferenz
11.02.2016

Klimawandel gefährdet globale Sicherheit

foto: UNICEF

Im Vorfeld der am heutigen Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz fordern Klimaforscher eine langfristige Sicherheitspolitik, um globale Krisen zu bekämpfen.

Mit Blick auf die am heutigen Freitag beginnende internationale Sicherheitskonferenz in München weisen Klimaforscher auf die Vorteile einer langfristig ausgerichteten Sicherheitspolitik hin. „Dazu gehört auch der Umbau des Energiesystems, der die Sicherheitsrisiken des Klimawandels vermeidet“, sagt Jürgen Scheffran, Professor am Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg.

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Dabei sind Klimafolgen einer von mehreren Konfliktfaktoren, auch im Bürgerkrieg in Syrien. Dort habe jahrelang eine Dürre geherrscht, die zu Vertreibung und Entwurzelung führte – und damit einen weiteren Anlass für die Proteste gegen das Assad-Regime schaffte. „Solche regionalen Krisen bergen ein globales Sicherheitsrisiko“, sagt Scheffran. „Zunehmend greifen externe Akteure wie die USA und Russland in Regionalkonflikten ein, die Flüchtlinge nach Europa treiben.“

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Scheffrans Kollegin Christiane Fröhlich vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg ergänzt: Zwar habe die Binnenmigration tatsächlich während der Dürre zugenommen, „doch weder war die Dürre ihr einziger Auslöser, noch waren es die ‚Klimamigranten‘, die die Proteste initiierten.“ Das habe eine 2014 und 2015 durchgeführte Befragung syrischer Bauern in jordanischen Flüchtlingslagern ergeben. „Die vielfach propagierte einfache Kausalität zwischen Dürre, Migration und Konfliktausbruch in Syrien lässt sich so nicht halten“, sagte Fröhlich bei der Vorstellung ihrer Studie am Donnerstag in Berlin.

 

Dürren, Stürme und Überschwemmungen zwingen zur Flucht

Zu den Hauptverursachern des Klimawandels zählt die Verbrennung von Öl und Gas. Das produziert klimaschädlicher Treibhausgase – und beschleunigt die Erderwärmung. Die Folge sind laut aktuellem Weltklimarat-Bericht steigende Meeresspiegel und Extremwetterereignisse. Sie zwingen die Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Das ist beispielsweise in Bangladesch der Fall. Dort steigt das Wasser im Golf von Bengalen jährlich um einen halben Zentimeter. Im Südpazifik steigt der Meeresspiegel jedes Jahr sogar um bis zu 1,2 Zentimeter. Die Pazifikinseln Kiribati und Tuvalu saufen buchstäblich ab. Der Weltklimarat fürchtet, dass sich der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts global um 98 Zentimeter erhöht. In Bangladesch rasen außerdem immer wieder gefährliche Zyklone über das Land. Allein in den vergangenen zehn Jahren gab es dort drei Wirbelsturm-Katastrophen, die schlimmste 2007 mit fast 4.000 Toten. Im südpazifischen Vanuatu verloren 3.300 Menschen vor knapp einem Jahr nach Zylon Pam ihr zu Hause. Insgesamt gibt es weltweit mehr als 116 Konfliktherde, die in direktem Zusammenhang mit Klima- und Umweltfolgen stehen, wie eine interaktive Karte vom Berliner Think Tank adelphi zeigt.

„Bislang haben die Klimafolgen in München kaum eine Rolle gespielt“, sagt adelphi-Projektleiter Lukas Rüttinger. Er warnt: „Die Krisen von heute sind die Warnsignale der Welt von morgen, in der der Klimawandel zunehmend mit anderen Stressfaktoren zusammenwirkt - wie beispielsweise zunehmenden Bevölkerungswachstum und steigender Ungleichheit.“

Jana Kugoth
Keywords:
Münchner Sicherheitskonferenz | Klimawandel | Sicherheitspolitik | Konflikte | Flucht | Migration | Dürre | Sturm | Bangladesch | Pazifische Inselstaaten | adelphi | Syrien | USA | Russland
Ressorts:
Governance

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