Studie
31.05.2016

Knapp jedes vierte Stadtwerk kämpft ums Überleben

Foto: Pixabay

Betreiber konventioneller Kraftwerke sind laut einer Studie des Beratungshauses PwC besonders betroffen.

 

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Die finanzielle Situation von 22 Prozent aller kommunalen Versorger ist kritisch. Das ist das Ergebnis der am Dienstag veröffentlichten PwC-Studie "Finanzierungsfähigkeit kommunaler Energieversorger“. Darin haben die Autoren 300 Jahresabschlüsse aus dem Jahr 2014 analysiert.

Bei 26 der untersuchten Energieversorgungsunternehmen (EVU) hat die Verschuldung demnach einen kritischen Wert erreicht, zudem verfügen sie über eine Eigenkapitalquote von weniger als 25 Prozent. Darunter fallen insbesondere die Betreiber konventioneller Kraftwerke sowie die Stadtwerke, die neben der klassischen Energieversorgung auch für den Betrieb der Busse und Bahnen im öffentlichen Nachverkehr sowie für die Schwimmbäder zuständig sind. Im Vergleich zur Gesamtmenge schnitten diese deutlich schlechter ab.

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Klamme Kommunen bedienen sich bei den Stadtwerken

Bernd Papenstein, Finanzierungsexperte bei PwC im Bereich öffentlicher Sektor, kommentiert: „Es hat in vielen Städten Tradition, Aufgaben der Daseinsvorsorge aus den Gewinnen des kommunalen Energieversorgers zu finanzieren. Solange die meisten Stadtwerke hohe Gewinne erwirtschafteten, war das kein großes Problem.“ In den vergangenen Jahren seien die Margen vieler EVU aber zusehends geschrumpft. Deshalb fordert Papenstein: „Die Kommunen müssen sich allmählich fragen, was sie ihren Versorgern noch zumuten dürfen, ohne deren finanzielle Basis weiter auszuhöhlen.“ Er warnt die kommunalen Träger davor, mit den Gewinnen der EVUs die Finanzlöcher in den öffentlichen Kassen zu stopften. Das könne ihnen sonst das auf lange Sicht das Genick brechen. Im Schnitt mussten die Versorger knapp 93 Prozent ihres Gewinns an die Kommune abgeben.

 

Ganzheitlicher Finanzplan muss her

Nicht alle Versorger kämpfen jedoch um die Existenz. Unterm Stricht hat sich die finanzielle Lage der untersuchten Versorger im Vergleich zum Vorjahr 2013 stabilisiert. Das lag zwar nicht zuletzt an den niedrigen Zinsen auf den Finanzmärkten. Doch auch die Stadtwerke selbst hätten Veränderungen eingeleitet, zeigt sich Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC, optimistisch. „Zahlreiche Diskussionen in den vergangenen Monaten zeigen uns, dass die Entscheidungsträger die immensen finanzwirtschaftlichen Herausforderungen offensiv annehmen“, beobachtet Schwieters. „Die Branche ist längst weiter als häufig angenommen“, glaubt er.

Die Studienautoren empfehlen Stadtwerkebetreibern deshalb, für die kommenden Jahre einen ganzheitlichen Finanzplan aufzustellen und die Unternehmensbereiche aufeinander abzustimmen. Das gelte zum Beispiel im Hinblick auf Laufzeiten, Zinsbindungen, Abrufstrukturen und Sicherheiten sowie in puncto Diversifikation und Auswahl der Bankpartner.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Stadtwerke | Energieversorger | PWC | Daseinsvorsorge | Studie | Kommunen | Kraftwerke
Ressorts:
Markets

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