2013 werden in Deutschland so viele Kohlekraftwerke ans Netz gehen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge sind es in diesem Jahr neue Steinkohle-Kraftwerke mit einer Leistung von fast 5.300 Megawatt (MW). Das entspricht ungefähr der Leistung von vier großen Atomkraftwerken (AKW).

Da die Regierung lediglich knapp 1.000 MW starke Steinkohle-Kraftwerke stilllegen will, bedeutet dies einen nochmaligen Leistungsüberhang von 4.300 MW auf dem ohnehin gesättigten Markt. „Es ist erstaunlich, dass sich die politische Debatte um die Energiewende derzeit nur auf das Ausbremsen der erneuerbaren Energien konzentriert, während gleichzeitig weitgehend unbemerkt neue Kohlekraftwerke mit einer Rekordleistung ans Netz gehen“, kritisiert Norbert Allnoch, Direktor des IWR. Der Zuwachs bei den erneuerbaren Energien und ein rückläufiger Stromverbrauch hätten die Lücken, die die Abschaltung der acht AKWs im Jahr 2011 zur Folge hatte, bereits vollständig kompensiert. Dies würde sich am deutschen Stromexport zeigen, der mit rund 23 Milliarden Kilowattstunden einen neuen Rekordwert erreicht hat.

Der IWR gibt außerdem zu bedenken, dass die Regierung auch für die Zukunft neue Kohlekraftwerke plant. Dies würde den Druck auf die bereits hohen Strompreise noch weiter verschärfen. 

Zur Info:

Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit insgesamt etwa 617,6 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom erzeugt (brutto) und damit 11 Mrd. kWh weniger als 2010 (628,6 Mrd. kWh). Davon kamen 99,5 Mrd. kWh Strom von Kernkraftanlagen. Zum Vergleich: Vor dem Atomausstieg 2011 waren es noch 140,6 Milliarden kWh. Aufgrund der rückgängigen Stromerzeugung ergibt sich eine Nettostromlücke aus den AKW-Abschaltungen von 30 Mrd. kWh. Gleichzeitig nahm die grüne Energie seit 2010 um 32 Mrd. kWh zu.