Neue Mobilität
18.10.2018

Polen fährt auf Elektrobusse ab

Foto: Solaris
Der Solaris Urbino Electric fährt mit einem Batteriesysteme von Impact.

Das polnische Unternehmen Impact Clean Power Technologies stellt Batterien für Elektrobusse her. Der Technische Direktor Bartek Kras ist überzeugt, dass sich die Fahrzeuge schnell verbreiten werden. Polens Klimabilanz dürfte das nicht helfen.

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Die weiße Box sieht unscheinbar aus. Sie ist 1,20 Meter lang, 80 Zentimeter breit und 16 Zentimeter hoch. Doch Boxen wie diese werden den Verkehr in den Städten revolutionieren, ist Bartek Kras überzeugt. Er ist der Technische Direktor des Unternehmens Impact Clean Power Technologies, das seinen Hauptsitz in der Nähe der polnischen Hauptstadt Warschau hat. Die weiße Box ist das Hauptprodukt von Impact – es ist ein Batteriesystem für Elektrobusse.

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„Die Boxen sehen zwar langweilig aus, aber sie enthalten viel Elektronik, viele Kabel, viel Software“, sagt Kras. Die Batteriezellen selbst stellt Impact nicht her– sie kommen unter anderem vom japanischen Hersteller Toshiba. „Aber alles andere machen wir selbst“, so Kras.

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Der größte Teil der Entwicklung besteht darin, die fertigen Batteriezellen zu Produkten zu kombinieren, die in Elektrobussen eingesetzt werden können. „Die Verwendung von Lithium-Ionen-Zellen im ÖPNV ist ziemlich neu“, erklärt Kras. „Wir verbringen deshalb viel Zeit damit, zu überlegen, wie wir eine große Reichweite, ultraschnelles Laden und eine lange Lebensdauer zu einem möglichst niedrigen Preis hinbekommen.“

"Kein Diesel mehr im ÖPNV"

Im Jahr 2005 hatte sich die Firma gegründet und zunächst damit angefangen, Elektroautos herzustellen. Seit 2010 konzentriert sich Impact auf die Batteriesysteme, ab 2012 vor allem für Schwerlast-Fahrzeuge. Heute arbeiten 140 Mitarbeiter in dem Unternehmen, die Firma hat Außenstellen in Deutschland, den USA und der Türkei.

Bartek Kras, Technischer Direktor von Impact Clean Power Technologies, mit Batteriezelle.
Foto: Friederike Meier
Und Impact soll weiter wachsen. „Wir glauben, dass im öffentlichen Nahverkehr in den kommenden zehn Jahren alle Busse durch elektrische oder Hybridfahrzeuge ersetzt werden“, sagt Kras. „Also kein Diesel mehr im ÖPNV, zumindest in Europa.“ Was Kras vor allem optimistisch macht, sind die Kosten. „Auch wenn Elektrobusse erst einmal teurer in der Anschaffung sind, sind die Gesamtkosten nach zehn Jahren genauso wie die von Dieselbussen.“

Laden an der Haltestelle

Der zweite Grund für den Optimismus ist das Impact-Ladesystem für Elektrobusse: Mit einem Stromabnehmer, ähnlich dem von Straßenbahnen, können die Batterien schnell geladen werden. „Früher dachte man, die Busse müssen alle über Nacht im Depot geladen werden“, erzählt Kras. Mit der Technologie müssen die Busse nur alle 30 Kilometer für zehn Minuten zum Laden – was sich gut an den Endhaltestellen erledigen lässt.

Allerdings: Die Technologie funktioniert derzeit nur bei Bussen oder Lkws. „Die Batterie in einem solchen Bus hat eine Kapazität von 100 Kilowattstunden. Wenn man das in zehn Minuten aufladen will, braucht man eine Leistung von rund 600 Kilowatt“, sagt Kras. Und das ist derzeit nur mit einem Stromabnehmer möglich, nicht mit der E-Auto-Ladesäule. „Bis wir dieses Problem lösen, werden wir diese Technologie nicht bei Autos anwenden können.“

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Keywords:
Elektromobilität | Batteriespeicher
Ressorts:
Markets

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