Stromerzeugung
11.10.2018

Kohlestromkonzern CEZ: Auf der Jagd nach deutschen Windparks

Foto: CEZ
Windparks sind in Tschechien dünn gesät. Der Staatskonzern CEZ erzeugt Strom überwiegend aus fossilen Quellen (im Bild das Kohlekraftwerk Detmarovice). In Windenergie investiert CEZ nun verstärkt im Ausland.

Der größte Stromversorger der östlichen EU kauft grüne Energieprojekte in Deutschland. Die Kassen des tschechischen Staatskonzerns CEZ sind voll – dank satter Gewinne aus fossilen Kraftwerken.

Er baggert böhmische Braunkohle, betreibt Kohlekraftwerke und Atommeiler: Der tschechische Staatskonzern CEZ steht in seiner Heimat vor allem für fossile Energie und hat damit kein Problem. Einen Kohleausstieg wie deutsche Stromversorger muss er auf absehbare Zeit nicht fürchten. Denn der ist in dem Nachbarland politisch kein Thema, obwohl Tschechien das Klimaabkommen von Paris unterschrieben hat.

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Gleichwohl interessiert CEZ sich für Windparks –  vor allem für deutsche und französische. Jörg Kubitza, der bei CEZ die strategische Entwicklung der Erneuerbaren leitet und zugleich das Deutschlandgeschäft verantwortet, hat einen klaren Auftrag aus Prag: „Wir wollen insgesamt 1,2 Gigawatt Onshore-Windenergie im Portfolio haben, das steht in unserem Businessplan“, sagt Kubitza im Gespräch mit dem Magazin bizz energy.

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Pro Jahr will er mehrere hundert Megawatt in Europa zukaufen. Bisher verfügen die Tschechen über den größten Onshore Windpark Europas in Rumänien (600 Megawatt) und 133,5 Megawatt in Deutschland, unter anderem in den Windparks Fohren-Linden und Lettweiler Höhe in Rheinland-Pfalz.

Das Sagen hat der Staat

Der 48-jährige Norddeutsche hat es ausschließlich auf Onshore-Windparks abgesehen, die noch nicht existieren: „Wir kaufen Entwicklungspipelines vor der Auktion, keine bestehenden Windparks, da ist der Wettbewerb viel zu intensiv.“ CEZ arbeite von seiner deutschen Niederlassung in Hamburg aus vor allem mit kleinen und mittleren Projektentwicklungsgesellschaften zusammen.

Die Muttergesellschaft von CEZ Deutschland, České energetické závody (Tschechische energetische Werke), gehört zu 70 Prozent dem tschechischen Staat. Mit einem Jahresumsatz von 7,9 Milliarden Euro (2017), einer Marktkapitalisierung von 11,8 Milliarden Euro und rund 27.000 Beschäftigten zählt der Konzern zu den zehn größten Energieversorgern Europas. Und er hat mit seinen fossilen Kraftwerken in den letzten Jahren viel Geld verdient: Einen Großteil der Gewinnsteigerung um 30 Prozent auf 750 Millionen Euro im Jahr 2017 beispielsweise verdankt CEZ der um vier Terawattstunden gestiegenen Atomstromproduktion.

Energie-Contracting in Deutschland

Das Geld wollen die Tschechen unter anderem in Deutschland investieren. Obwohl die Bundesregierung die Windenergie derzeit bremst, traut Kubitza dem hiesigen Markt viel zu: „Deutschland hat immer noch die höchsten Ausbauziele.“ Und dass man über eine Auktion eine garantierte Einspeisevergütung für 20 Jahre erhalten könne, sei „schon mal nicht schlecht“. Denn: „Für ein Unternehmen wie CEZ, das vor allem in volatilen, nicht regulierten Märkte agiert, ist das ein enormer Vorteil“, sagt Kubitza. Der Konzern, der seit den Zweittausenderjahren vor allem in Ost- und Ostmitteleuropa expandiert hat, betrachtet seine Investitionen in deutsche Erneuerbare als Sicherungsgeschäft.

Für stabil und wachstumsträchtig hält CEZ auch das deutsche Energie-Contracting. Auf diesem Markt lagern Unternehmen ihren Energiebezug und ihr Energiemanagement zu externen Dienstleistern aus. Der staatliche Versorger hat mit Elevion (Jena) und kürzlich Kofler Energies (Berlin) zwei solche Dienstleister und zugleich fast 4000 Beschäftigte übernommen.

Investitionen in Dresdner Start-ups

Eine Energiewende, wie manche europäische Versorger sie versuchen, scheint nicht das Hauptmotiv der CEZ-Konzernführung unter Vorstandschef Daniel Beneš zu sein. Denn im Vergleich zu Kohlekraftwerken und zu Atomstromfabriken wie dem 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernten Kernkraftwerk Temelin ist der Anteil von Strom aus Wasserkraft, Wind, Sonne und Biomasse verschwindend gering – daran dürften auch Kubitzas Einkäufe so bald nichts ändern.

Mit ihrer Expansion in Deutschland sichern die Tschechen sich nicht nur gegen Preisschwankungen in preisvolatilen Geschäftsfeldern ab, sondern verfolgen auch technologiestrategische Interessen: Die CEZ-Wagniskapitalgesellschaft Inven Capital hat sich an dem Brennstoffzellenherstelller Sunfire (Dresden), an dem Heimspeicheranbieter Sonnen (Wildpoldsried) und an dem Datenzentrenbetreiber Cloud & Heat (Dresden) beteiligt. Dessen Anlagen recyceln Server-Abwärme zu Heizenergie für Gebäude.

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Christian Schaudwet
Keywords:
CEZ | Tschechien | Windenergie | Kohlekraftwerke
Ressorts:
Markets

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