Solar- und Windstrom
03.08.2018

Kolumbien plant erste Ausschreibung für Erneuerbare

Foto: Wikimedia/Jorge Mahecha
Ideal sind die Bedingungen für Windanlagen auf der kolumbianischen Halbinsel La Guajira, hier im Nationalpark Macuira.

Der Erneuerbaren-Ausbau in Kolumbien kommt endlich in Gang: Die Regierung will Solar-, Wind- und Biomasse-Projekte mit insgesamt einem Gigawatt Volumen fördern.

Auf der kolumbianischen Halbinsel La Guajira bläst der Wind das ganze Jahr über mit durchschnittlich neun Metern pro Sekunde – konstant und ohne Böen. Damit zählt La Guajira zu den besten Windkraft-Regionen der Welt, so die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI). Auch für Solarenergie sind die Bedingungen in dem sonnenreichen lateinamerikanischen Land extrem günstig. Dennoch waren dort im März dieses Jahres gerade mal ein Wind- und ein Solarpark in Betrieb.

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Das soll sich nun ändern: Nachdem Firmen bereits mit dem Bau mehrerer Photovoltaik-Anlagen begonnen haben und eine Reihe von Windparks in Planung sind, hat die kolumbianische Regierung jetzt eine erste Ausschreibungsrunde für erneuerbare Energien angekündigt. Das berichtet die lateinamerikanische Ausgabe des Branchendienstes PV Magazine. Zuschläge soll es für Solar-, Wind- und Biomasseanlagen mit einem Volumen von bis zu einem Gigawatt (GW) geben. Die Einzelprojekte müssen eine Leistung von mindestens zehn Megawatt (MW) Energie haben. Die Ausschreibung ist für Januar 2019 geplant, die Anlagen sollen ab Dezember 2022 in Betrieb genommen werden. 

CO2-Ausstoß soll um 26 Prozent sinken

Kolumbiens Energieminister Germán Arce Zapata sagte, seine Regierung mache mit der Förderung von Erneuerbaren einen Schritt hin zur Erfüllung der Klimaziele und stärke mittel- und langfristig die Versorgungssicherheit. Das Land hatte auf dem Pariser Klimagipfel zugesagt, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 um 26 Prozent zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen dem kolumbianischen Verband für erneuerbare Energien SER zufolge mindestens zwei GW aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden.

Auch ausländische Firmen haben den kolumbianischen Markt für sich entdeckt: Die deutsche Firma Sowitec aus Baden-Württemberg etwa hat laut GTAI in Barranquilla an der Karibikküste ein Büro eröffnet. Von dort aus treibt das Unternehmen Wind- und Photovoltaikprojekte voran, unter anderem vier Solarparks. Damit zähle Sowitec zu den wichtigsten Entwicklern von Energieprojekten in Kolumbien, so die Wirtschaftsförderer. Der italienische Energieanbieter Enel errichtet im Bundesland Cesar ebenfalls eine Solaranlage und will bis 2020 in Kolumbien 244 Millionen US-Dollar investieren.

Endpreise wie in Argentinien und Brasilien erwartet

Der Präsident des Verbands SER, Alejandro Lucio Chaustre, prognostizierte Anfang des Jahres in einem Interview mit PV Magazine für die kolumbianische Ausschreibung andere Kosten als für Ausschreibungen in reiferen Märkten wie Mexiko oder Chile. „Ich glaube, dass wir ein ähnliches Niveau wie in Argentinien oder Brasilien erreichen können“, sagte er. Möglich sei ein Endpreis zwischen 40 und 50 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh).

Allgemein ist hier ein Trend zu erkennen: Die Länder Lateinamerikas wollen unabhängiger von Energieimporten werden und haben sich ehrgeizige Ausbauziele für Erneuerbare gesetzt. Als Vorreiter beim Ausbau von grüner Energie gilt Chile.

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Jutta Maier
Keywords:
Kolumbien | Lateinamerika | erneuerbare Energien | Solarenergie | Windenergie
Ressorts:
Governance | Markets

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