Energiekosten-Debatte
28.08.2012

Konventioneller Strom teurer als Erneuerbarer

Kurt F. Domnik, Pixelio.de
Braunkohle-Kraftwerk Neurath bei Grevenbroich. Viel Rauch und Dampf gibt es auch die der derzeitigen Debatte zu den Energiekosten.

Strom aus Kohle- oder Atomenergie ist für den Verbraucher deutlich teurer als auf der Rechnung ausgewiesen. Eine fiktive Umlage für fossile und nukleare Energieträger übersteigt die Ökostrom-Umlage um das Dreifache, berechnet eine neue Studie.

Die Förderung von konventioneller Energie wie Kohle und Atom verursacht deutlich höhere Kosten, als man auf der Stromrechnung ablesen kann. Verbraucher würden in diesem Jahr eine „Konventionelle-Energien-Umlage“ von 10,2 Cent pro Kilowattstunde zahlen – dreimal so viel wie die derzeitige Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die aktuell bei 3,59 Cent liegt. Das ist das Ergebnis der druckfrischen Studie „Was Strom wirklich kostet“, die das Berliner Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy und dem Bundesverband WindEnergie (BWE) erstellt hat.

Anzeige

Anzeige

Fördermilliarden für fossilen und nuklearen Strom

Laut Studie profitieren gerade die konventionellen Energien von umfangreichen staatlichen Förderungen: Während Steinkohle als Energieträger zwischen 1970 und 2012 mit insgesamt 177 Milliarden Euro gefördert wurde, entfielen auf die Braunkohle 65 Milliarden Euro und auf die Kernenergie sogar 187 Milliarden Euro. Die erneuerbaren Energien haben bis heute 54 Milliarden Euro erhalten. Da die Vergütung für Solaranlagen beispielsweise auf 20 Jahre plus dem Jahr der Installation garantiert sind, kommen jedoch weitere Milliarden hinzu. Experten gehen von mindestens 150 Milliarden Euro aus.

„Die Studie liefert einen wichtigen Beitrag dazu, die gegenwärtige Kostendebatte um die erneuerbaren Energien wieder zu versachlichen“, sagt BWE-Präsident Hermann Albers. Das Image der konventionellen Energien als kostengünstig dürfte damit ad absurdum geführt werden, so seine Hoffnung.

„Im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien werden wir die Folgekosten von Kohle- und Atomstrom auch noch Jahre nach dem Abschalten der Kraftwerke bezahlen müssen“, sagt Swantje Küchler, Autorin der Studie. Neben Stromkosten und staatlichen Förderungen summiert die Studie auch die externen Kosten der einzelnen Energieträger wie Klimaschäden oder Folgekosten eines nuklearen Unfalls auf.

Was kostet die einzelne Kilowattstunde?

Diese Zusammenstellung ermöglicht einen transparenten Vergleich der verschiedenen Energieträger: Demnach liegt der Preis für eine Kilowattstunde Windstrom 2012 bei 8,1 Cent und für Wasserkraft bei 7,6 Cent. Steinkohle kostet unter Einbeziehung aller Kosten 14,8 Cent pro Kilowattstunde, Erdgasstrom 9 Cent und Atomkraft mindestens 16,4 Cent.

Die deutsche Atomlobby kritisiert die Studie: Die Einpreisung der Kosten für Betrieb und Überwachung eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle für eine Million Jahre sei aus Kosten- wie Sicherheitsgründen unseriös. „Es sollte jetzt für alle darum gehen, die wirklich gewaltigen Herausforderungen der Energiewende und die damit verbundenen Kosten in den Griff zu kriegen“, kommentiert Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums.

In den nächsten sechs Wochen dürfte sich die Debatte um die Ökostromkosten weiter zuspitzen. Am 15. Oktober 2012 werden dann die Übertragungsnetzbetreiber die neue EEG-Umlage für 2013 verkünden. Experten rechnen mit einem neuen Wert von über 5 Cent pro Kilowattstunde.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Atommüll | Kernenergie | EEG
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen