Down Under
02.03.2017

Konzernriese BHP befeuert Kampf um Australiens Energiewende

Foto: Wikipedia/Geomartin
Die Kupfer- und Uranmine Olympic Dam im Bundesstaat South Australia. Links: Sir Lindsay Clark Schacht, rechts: Robertson Schacht.

Prominenter Unternehmenslenker Mackenzie droht mit einem Investitionsstopp wegen Stromausfällen und hoher Preise.

Der Streit um die australische Energiepolitik spitzt sich immer weiter zu. Im Mittelpunkt steht diesmal einer der bekanntesten Wirtschaftskapitäne des Landes: Andrew Mackenzie, CEO des weltgrößten Bergbau-Konzerns BHP Billiton. Er nutzte Anfang der Woche ein Gespräch mit Analysten als Bühne für eine aufsehenerregende Drohung: BHP werde weitere Investitionen möglicherweise auf Eis legen. Grund: Die Stromversorgung in Australien ist zu unsicher und zunehmend auch zu teuer.

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Konkret geht es um die Kupfer- und Uranmine Olympic Dam im Bundesstaat South Australia. Im zweiten Halbjahr 2016 musste BHP dort laut aktuellem Geschäftsbericht Einbußen in Höhe von rund 100 Millionen US-Dollar hinnehmen – als Folge von Stromausfällen. Ohne "zuverlässige und kostengünstige" Stromversorgung in Südaustralien werde BHP dort "absolut nicht mehr investieren“, sagte Mackenzie den Analysten. Australiens Strompreise im Großhandel sind dort von 2014 auf 2017 um das Zweieinhalbfache gestiegen: von 39 auf knapp 105 australischen Dollar-Cent.

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Die Probleme halten jedoch an: Anfang Februar wurden 90.000 Verbraucher in Südaustralien in einer Notmaßnahme vom Netz genommen ("load shedding", zu Deutsch Lastabwurf), weil das Stromnetz aufgrund einer Hitzewelle und des damit verbundenen hohen Verbrauchs aus Sicht des Australian Energy Market Operator (AEMO) kurz vor dem Zusammenbruch stand. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass zumindest geringe Kapazitäten in Gaskraftwerken noch vorhanden waren. Doch schon ein kleiner Fehler bei der Prognose reicht in Südaustralien für einen Teilkollaps aus.

Die gesicherte Leistung ist äußerst knapp

Mackenzie hat die hitzige Debatte um die Stromversorgung in Australien weiter befeuert. In Südaustralien erzeugen erneuerbare Energien aufgrund der guten Bedingungen für Solar-, vor allem aber Windkraft, bereits mehr als 40 Prozent des Stroms. Die Deutsche Bank schätzt, dass dieser Wert schon bis 2020 auf 85 Prozent getrieben werden könnte. Das politische Ziel liegt bei 50 Prozent.

Gleichzeitig herrscht aber Knappheit bei der gesicherten Leistung. Verlässlich verfügbare Kraftwerke können die Nachfrage kaum decken. Südaustralien (Hauptstadt: Adelaide) ist zudem häufig abhängig von Stromimporten aus dem benachbarten New South Wales. Aber auch im Rest von Australien steigt die Unsicherheit bei der Versorgung und die Preise ziehen an.

Opposition: Neue Kohlekraftwerke sind illusorisch

Der konservative Premierminister Malcolm Turnbull verfolgt deshalb eine energiepolitische Kehrtwende: Er will neue Kohlekraftwerke, die weniger Klimaschaden anrichten als alte Anlagen. Es sei höchste Zeit für den großen Kohle-Exporteur Australien, die Sinnhaftigkeit von "Clean Coal" zu demonstrieren, argumentiert Turnbull. Die Opposition hält es jedoch für ausgeschlossen, dass Versorger in neue Kohle-Kraftwerke investieren. Das liegt auch an ihr selbst: Eine künftige Labour-Regierung würde wohl die Weiche wieder zurückstellen. Angesichts dieses politischen Risikos können die Versorger keine Investitionsentscheidungen verantworten, die einen mindestens 20-jährigen Horizont haben. Einig ist man sich in Canberra lediglich bei einem Punkt: Speichertechnologien sollen erforscht und zunehmend eingesetzt werden.

Derweil steigt der Druck, wie die Drohung des Rohstoff-Riesen BHP zeigt. Die Bergbau-Industrie ist immens wichtig für Australien und steuert knapp ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts bei, mehr als die fertigende Industrie. Konzernchef Mackenzie hofft, dass die australischen Bundes- und Landesregierungen "die großen Schwierigkeiten, mit denen wir kämpfen, tatsächlich angehen".

Jakob Schlandt
Keywords:
Australien | erneuerbare Energien | Kohle | Windstrom | Solarstrom | BHP Billiton | Malcolm Turnbull
Ressorts:
Governance

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