Wenn es um das Transaktionsprotokoll Blockchain geht, finden Experten aus der Energiewirtschaft derzeit immer neue Anwendungsgebiete. Ein Riesenpotenzial sieht Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beispielsweise beim Ablesen von Wärme-, Strom-, Gas- und Wasserzählern. „Jedes Jahr landen zweieinhalb bis dreieinhalb Milliarden Euro bei Abrechnungsdienstleistern“, sagt Sieverding am Freitag beim Blockchain-Tag von Vattenfall und Neue Energiewelt in Berlin. Der Ablesemarkt besteht im Wesentlichen aus zwei großen Anbietern. Deshalb sieht der Verbraucherschützer aus Düsseldorf ein riesiges Potenzial für Einsparungen, wenn das Abrechnen automatisiert würde.

Eine passende Grundlage für solche digitalen Prozesse ist die sogenannte Blockchain, die seit dem vergangenen Jahr für viel Aufruhr in der Energiewelt sorgt. Ursprünglich für die Kryptowährung Bitcoin entwickelt, eignet sich das Protokoll für sämtliche Transaktionen von Gütern und Werten in stark dezentralisierten Systemen. Auf Blockchain-Basis können Haushalte beispielsweise Strom aus ihrer Solaranlage an Nachbarn liefern oder Elektroautos kleine Elektrizitätsmengen automatisch abrechnen.

 

Abrechnungen als Basis

Abrechnungsprozesse gibt es nicht nur beim Ablesen von Zählern, sondern auch im Betrieb der Stromnetze. Axel von Perfall von der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PwC sieht dort Einsparpotenziale im zweistelligen Prozentbereich.

Pro Jahr geben Stromverbraucher schätzungsweise 18 Milliarden Euro für die Netzentgelte aus. Auch wenn ein großer Teil davon Investitionskosten für neue Leitungen sind und nur ein Teil für den Betrieb ausgegeben wird, gibt es große Sparmöglichkeiten. In Wien habe das Blockchain-Start-up Grid Singularity mit einem kleinen Team innerhalb von zwei Wochen die Steuerung für ein lokales Stromnetz programmiert, berichtet Verbraucherschützer Sieverding. 

Noch größere Einsparpotenziale sieht Unternehmensberater Perfall, wenn die Automatisierung so weit vorangetrieben wird, dass komplette Marktrollen einzelner Unternehmen digitalisiert werden.

(Foto: Commons, Portland General Electric)