Offshore-Windenergie
15.12.2017

Krach soll Wale von Windpark-Lärm fernhalten

Foto: iStock
Zwergwale werden bei Rammarbeiten für Offshore-Windparks hoher Lärmbelastung ausgesetzt.

Die Offshore-Windindustrie erwägt, Wale durch Unterwasser-Geräuschquellen von Windpark-Baustellen fernzuhalten. Der Lärm der Rammarbeiten nämlich kann die Tiere schwerhörig machen.

Eine neue Studie zeigt, dass Zwergwale sich durch den gezielten Einsatz von Geräuschquellen im Meer von Baugebieten für Offshore Windparks fernhalten lassen. Demnach entfernen sie sich von Gebieten, in denen sogenannte Acoustic Deterrent Devices (ADD) im Einsatz sind.

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Die Studie entstand im Auftrag des Offshore Renewables Joint Industry Programme (ORJIP) in Großbritannien und wurde von den Energieunternehmen Innogy, Orsted und Statoil mitfinanziert, die alle in Offshore-Wind investieren. Die Branche steht wegen der negativen Umweltauswirkungen von Windparks seit langem in der Kritik von Naturschützern.

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Orientierung durch Schall

Der Lärm der Rammschläge, mit denen die Fundamente von Windenergieanlagen in den Meeresboden getrieben werden, schädigt nach Einschätzung des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) das Gehör von Walen und beeinträchtigt ihr Orientierungsvermögen. Die in Nord- und Ostsee heimischen Schweinswale beispielsweise nutzen Schall, um ein akustisches Bild ihrer Umgebung zu erzeugen und um mit ihren Artgenossen zu kommunizieren.

Nach Angaben des Nabu entstehen bei Offshore-Rammarbeiten unter Wasser Schallpegel von bis zu 200 Dezibel. Das Gehör von Schweinswalen könne bereits ab 164 Dezibel Schaden nehmen. Dabei entstehe vorübergehende Schwerhörigkeit.

"Temporäre Sicherheitszonen"

Die Offshore-Branche sieht in der akustischen Abschreckung der Tiere offenbar eine vielversprechende Möglichkeit, sie von dem besonders schädlichen Rammlärm fernzuhalten: „Die Fähigkeit, aktive akustische Systeme zu nutzen, um temporäre Sicherheitszonen um die Windenergieanlage zu schaffen, ist eine nützliche Erweiterung der Milderungsoptionen für Windparkentwickler“, teilt das ORJIP mit. Von Innogy, Orsted und Statoil heißt es, man sei erfreut, dass die Versuche die Datenbasis vergrößert hätten, die die „Wirksamkeit von ADDs beim Abschrecken von Meeressäugern“ bewiesen.

Der Nabu fordert von der Branche dagegen, dass die Gründungsarbeiten selbst deutlich leiser werden. Möglich sei das beispielsweise durch Fundamente, die die Windkraftanlagen durch ihr Gewicht sicherten. Weitere Optionen seien spezielle Bohrtechniken und schwimmende Fundamente.

Lesen Sie auch: Schottland misst das Meer für schwimmende Windparks aus

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Offshore Windenergie | Windenergieanlage | Windpark
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