Stromerzeugung
27.08.2018

Kraftwerke: Großbritannien auf dem Holzweg

Foto: Drax Power
Kohlekraftwerk des börsennotierten britischen Versorgers Drax in der Grafschaft North Yorkshire. Die Anlage soll bis 2025 komplett auf die Verbrennung von Biomasse umgestellt werden.

Holz statt Kohle – mit diesem Tausch versuchen Versorger, ihre alten Kraftwerke zu retten. Die Verbrennung von Holz gilt als zwar klimafreundlich, ist aber umstritten. Das britische Unternehmen Drax ist am weitesten.

Der Energieversorger und Kraftwerksbetreiber Drax hat im August den vierten von sechs Blöcken in Großbritanniens größtem Kohlekraftwerk auf die Verbrennung von Biomasse umgestellt, vor allem auf Holzschnitzel. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen mit der Umstellung des 43 Jahre alten Kraftwerks in North Yorkshire auf bestem Weg, die Verfeuerung von Kohle bis zum Jahr 2025 einzustellen.

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Der Vorstandsvorsitzender der Kraftwerkssparte Drax Power, Andy Koss, bezeichnet das Unterfangen als größtes Dekarbonisierungsprojekt in Europa. Die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Biomasse habe enorme Vorteile: „Sie verlängert die Lebensdauer der Kraftwerke, sichert Jobs und liefert klimafreundlichen und verlässlichen Strom für Millionen Haushalte und Unternehmen“, sagt Koss.

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Umrüstungskosten gesenkt

Die Umrüstung von Kohlekraftwerken galt in der Vergangenheit als technisch zu aufwändig und deshalb unwirtschaftlich. Doch Drax hat die Umrüstungskosten offenbar senken können. Die Umstellung des vierten Blocks habe 30 Millionen Pfund (33 Mio. Euro) gekostet, bei den ersten drei Kraftwerksblöcken schlug der Umbau noch mit insgesamt 700 Millionen Pfund (770 Mio. Euro) zu Buche.

Die Verbrennung von Biomasse gilt hinsichtlich des Ausstoßes des Klimagases CO2 als mathematisches Nullsummenspiel zwischen der CO2-Absorbtion beim Pflanzenwachstum und der CO2-Freisetzung bei der Verbrennung. Unter Umweltschützern ist die Biomasseverbrennung jedoch höchst umstritten.

Umweltschützer warnen

So stößt zum Beispiel der deutsche Kraftwerksbetreiber Uniper im südfranzösischen Trotignon mit einem von Kohle auf Holz umgestellten Kraftwerk auf Protest. Das 250 Millionen Euro Projekt wurde 2011 unter der Ägide des Vorgängerkonzerns Eon in die Wege geleitet und von der französischen Regierung ausdrücklich als Klimaschutzbeitrag begrüßt. Bürger und Umweltschutzgruppen in der Provence befürchten jedoch eine Verschlechterung der Luftqualität. Zudem bestehe das Risiko, dass  die Produktion des Brennstoffs Holz zu waldwirtschaftlichen Monokulturen im In- und Ausland führe.

In Großbritannien schreitet die Verbrennung von Biomasse auch in kleinen Kraftwerken voran. So betreibt der Mannheimer Energiekonzern MVV in Ridham Dock in der südenglischen Grafschaft Kent ein 140 Millionen Euro teures Kraftwerk mit einer Nettoleistung von 23 Megawatt (MW). Die Anlage verwertet jährlich rund 180.000 Tonnen Alt- und Resthölzer aus dem Großraum London und stellt damit 184 Millionen Megawattstunden Strom her.

 

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Thomas Bauer
Keywords:
Kohlekraftwerk | Kohlestrom | Biomasse | Großbritannien
Ressorts:
Markets

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