Russland
12.05.2016

Kreml sagt Energietechnikimporten den Kampf an

Foto: Wikipedia
Nach dem Willen von Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dmitri Medwedew sollen dafür künftig internationale Unternehmen auf russische Technik umsatteln.

Präsident Putin plant eine gesetzliche Pflicht zur lokalen Produktion oder zumindest zum Einkauf bei russischen Zulieferern.

 

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Russland will künftig im Energiebereich seine Abhängigkeit von Importen verringern. Nach dem Willen von Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dmitri Medwedew sollen dafür künftig internationale Unternehmen auf russische Technik umsatteln. Medwedew hat seine Minister angewiesen, bis Mitte Juni konkrete Vorschläge auszuarbeiten, wie ausländische Unternehmen dazu verpflichtet werden können, vorrangig bei russischen Zulieferern einzukaufen – oder die Produktion nach Russland zu verlagern.

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Russland ist einer der lukrativsten Märkte für Anbieter von Technik und Dienstleistungen im Bereich der Energieförderung. Allein der Anteil ausländischer Servicegesellschaften in der russischen Förderbranche beträgt knapp 18 Prozent oder etwa vier Milliarden Euro. Der Chef des Branchenverbandes der Öl- und Gasindustrie Gennadij Schmal taxierte die Importquote für Investitionsgüter im Sektor auf etwa 60 Prozent. Russlands größter Gasförderer Gazprom kauft pro Jahr für etwa 3,6 Milliarden Euro bei ausländischen Zulieferern ein.

Bereits vor zwei Jahren wies Präsident Putin darauf hin, dass die Energiebranche zum Vorreiter in Sachen Importsubstitution avancieren soll. Russland hatte sich gerade nach der Krim-Annexion mit der EU und den USA überworfen. Der Westen reagierte auf Russlands Einmischung im Nachbarland mit Sanktionen und untersagte etwa die Lieferung von Ausrüstung im Bereich der Offshore-Förderung. Zwar waren die Lieferungen für Onshore-Technik nicht von Sanktionen betroffen, dennoch dürften mögliche weitere Lieferverbote seitens des Westens die Angst im Kreml vor einer zu großen Importabhängigkeit im Energiebereich geschürt haben.

 

Transnationale Zulieferer müssen zittern

Von den neuen Richtlinien, die nun von den zuständigen Ministerien ausgearbeitet werden sollen, könnten insbesondere transnationale Zulieferer wie Schlumberger mit Sitz in Holland betroffen sein, aber auch deutsche Firmen, wie etwa die C.A.T. Gmbh aus Celle, die etwa 35 von 50 Millionen Euro Umsatz mit Fracking-Ausrüstung für den russischen Markt erwirtschaftet.

Abseits protektionistischer Maßnahmen unterstützt der russische Staat die eigenen Zulieferer mit üppigen Geldspritzen. Im vergangenen Jahr verteilte zum Beispiel das Wirtschaftsministerium Subventionen in Höhe von etwa 300 Millionen Euro für 28 Investitionsprojekte in diesem Bereich. Knapp 250 Millionen Euro flossen allein in Forschung und Entwicklung. Branchenkenner glauben dennoch nicht daran, dass sich Russland in technisch empfindlichen Bereichen mittelfristig von seiner Importabhängigkeit befreien kann. Bisher jedenfalls versuchten lediglich asiatische Firmen ihre westliche Konkurrenz auf dem Markt auszustechen, ohne jedoch eigene Produktionsstandorte in Russland aufzubauen.

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | Energie | Zulieferer | Schlumberger | C.A.T. Gmbh | Importe
Ressorts:
Governance | Markets

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