Ukraine
04.03.2014

Kreml zieht die Gas-Karte

Für die annähernd bankrotte Ukraine hätte das Ende der Rabatte auf russische Gaslieferungen dramatische Folgen. Diese Rabatte beliefen sich 2013 auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar.

Der russische Staatskonzern Gazprom hat am Wochenende im Konflikt mit der Ukraine das Ende der Rabatte für die Gaslieferungen angedroht. Die Ukraine müsse erst ihre offenen Rechnungen von über anderthalb Milliarden Euro begleichen. 

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Für die überschuldete Ukraine hätte das Ende der Gaspreis-Rabatte für den 2009 ausgehandelten Liefervertrag dramatische Folgen. „Im Gegenzug zur pro-russischen Politik unter dem geschassten Präsidenten Wiktor Janukowitsch senkte Gazprom seinen Lieferpreis immerhin von über 400 US-Dollar auf unter 270 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter“, erklärt Kirsten Westphal auf Anfrage von BIZZ energy today. Die Energieexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin weiß um die Gefahr der russischen Gas-Politik, Russland hatte der Ukraine bereits 2006 und 2009 wegen nicht beglichener Schulden zeitweise den Hahn zugedreht. 

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Um sich vor diesen Gefahren künftig besser zu schützen, senkte die Ukraine auch unter Janukowitsch ihre Abhängigkeit von russischem Gas, wie Frank Umbach vom Kings College London jüngst in einem Bericht über den russischen Einfluss auf die ukrainische Energiepolitik beschrieb. Zwischen 2011 und 2013 gingen demnach die Lieferungen von 40 Milliarden auf 26 Milliarden Kubikmeter Gas zurück. Allein das Rabattvolumen lag damit im vergangenen Jahr bei rund 3,5 Milliarden US-Dollar. 

Derzeit herrscht in der Ukraine noch winterliche Kälte. „Angeblich werden die Gasspeicher dort schon zur Versorgung des Landes eingesetzt, um die russischen Gasimporte aus Geldgründen weitestmöglich zu reduzieren. Das ist für das Land ein riskantes Spiel", sagt Westphal. Für Europa drohe am Ende des Winters und bei bis zu 60 Prozent gefüllten Gasspeichern zumindest keine akute Gefahr, auch wenn immer noch rund die Hälfte des russischen Gases über die Ukraine kommen.

Im vergangenen Jahr flossen insgesamt über 160 Milliarden Kubikmeter aus Russland nach Europa. Im Ernstfall gäbe es mit der Nord Stream durch die Ostsee, der Blue Stream durch die Türkei und der Yamal durch Polen alternative Routen, deren Kapazität von insgesamt knapp über 100 Milliarden Kubikmeter noch nicht vollständig ausgeschöpft sind. Westphal sieht in der jetzigen Jahreszeit allerdings noch weitere Optionen: „Auch in Südkorea und Japan ist der Winter bald vorbei, deswegen wächst wieder das Angebot auf den LNG-Märkten.“

Die jetzige Übergangsregierung unter Arsenij Jazenjuk verhandelt mit dem Internationalen Währungsfonds über einen 15-Millarden-Dollar-Kredit, um den drohenden Staatsbankrott abwenden und womöglich auch die Gazprom-Schulden tilgen zu können. 

 

Titelbild: depositphotos

Daniel Seeger
Keywords:
Gazprom | Russland | Ukraine | Erdgas
Ressorts:
Governance

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