Wind-auf-See-Gesetz
03.06.2020

Kritik an spekulativen Null-Cent-Geboten

Foto: Istock
Der Nebel um die Zukunft der Offshore-Windkraft lüftet sich erst langsam.

Bis 2030 sollen vor den deutschen Küsten der Nord- und Ostsee 20.000 Megawatt Windkraft installiert sein - statt der bisher geplanten 15.000. Die entsprechende Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes passierte heute das Bundeskabinett.

Rund 7.500 Megawatt Windkraft sind derzeit in der deutschen Nord- und Ostsee installiert - bis 2030 soll diese Kapazität nicht wie ursprünglich geplant verdoppelt, sondern auf 20.000 Megawatt gesteigert werden. Das letztere Ziel hatte die Regierungskoalition bereits in ihrem Klimaschutzprogamm beschlossen. Die dazu nötige Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes passierte heute das Bundeskabinett.

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Für 2040 ist im Gesetz erstmals auch ein Ausbauziel von 40.000 Megawatt verankert. Das ermögliche allen Akteuren eine langfristige Planung und biete der Offshore-Windenergie einen verlässlichen Rahmen, erklärte dazu Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

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Zur Umsetzung des nunmehrigen 20.000-Megawatt-Ziels hatten Bund, Länder und Netzbetreiber bereits Anfang Mai eine Offshore-Vereinbarung "Mehr Strom vom Meer" abgeschlossen. Diese soll dafür sorgen, dass Planungen und Genehmigungen sowie der Bau der Netzanbindung wie auch der Offshore-Windparks selbst Hand in Hand gehen.

Kommunaler Verband und Branche wollen "Contracts for Difference"

Verbände und Branche begrüßen den Kabinettsbeschluss, kritisieren aber, dass so genannte Null-Cent-Gebote bei den Offshore-Ausschreibungen weiter möglich sind. Das sorge für ein "spekulatives Bieten", auf das sich nur große Akteure einlassen könnten, sagt Ingbert Liebing, Geschäftsführer beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU).

Der Gesetzentwurf sei deswegen für Stadtwerke, die sich auch künftig beim Ausbau von Wind auf See engagieren wollten, "eher eine Hürde als eine Brücke für weitere Investitionen", meint Liebing. Aus Sicht des VKU sollten sich die Gebote besser an den tatsächlichen Stromgestehungskosten und nicht an unsicheren Strompreisprognosen orientieren. Eine Möglichkeit dafür seien sogenannte "Contracts for Difference". Bei diesem Modell werden die Erlöse aus dem Stromverkauf abgeschöpft, die über einen bei den Ausschreibungen anzulegenden Wert hinausgehen.

Für dieses Modell plädiert auch die Offshore-Branche selbst. Die "Contracts for Difference" böten eine sichere Refinanzierung und könnten die Stromkosten bei den künftigen Projekten aufgrund geringerer Finanzrisiken deutlich senken, meint Andreas Wagner von der Stiftung Offshore-Windenergie. Dies zeigten auch Erfahrungen im Ausland. Darüber hinaus könnte das Modell die Realisierungswahrscheinlichkeit der Projekte deutlich erhöhen.

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Jörg Staude
Keywords:
Offshore-Windkraft | Ausschreibungen | Stromkosten
Ressorts:
Governance
 

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