Digitalisierung
26.02.2020

Künstliche Intelligenz soll bei PV-Versicherung helfen

Screenshot: bizz energy
Mit Aufnahmen von Google Maps sucht die KI der Versicherung VKB nach Gebäuden mit Solaranlagen.

Die Versicherungskammer Bayern setzt eine Künstliche Intelligenz ein, um Photovoltaikanlagen auf Dächern zu identifizieren und den Betreibern anschließend Versicherungsschutz anzubieten.

Die Versicherungskammer Bayern (VKB) hat eine Künstliche Intelligenz (KI) darauf trainiert, Photovoltaikanlagen (PV) auf Dächern mit Hilfe von Satellitenbildern zu entdecken. Auf Basis dieser Daten will sie ihren Kunden den geeigneten Versicherungsschutz anbieten. Denn 80 bis 90 Prozent der PV-Anlagen auf Immobilien sind laut VKB unterversichert.

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Der Algorithmus greift auf Aufnahmen von Google Maps zurück. Theoretisch könnte das auch ein Mitarbeiter. „Der schafft aber nicht 1,3 Millionen Objekte an einem Tag“, sagt Ludwig Bothmann, Lead Data Scientist Lead bei der VKB.

Um die KI zu trainieren, haben der Experte Bothmann und seine Mitarbeiter sie mit ein paar tausend Bildern gefüttert. Schritt für Schritt habe sie so gelernt, Dächer mit PV-Anlage von anderen Dächern zu unterscheiden. „Meldet das System, dass sehr wahrscheinlich eine PV-Anlage auf dem Dach ist, hat sie in 97 Prozent der Fälle Recht“, sagt Bothmann. Bei mittlerer Wahrscheinlichkeit stimme das Ergebnis in rund 83 Prozent der Fälle. Und wenn die KI eine PV-Anlage für unwahrscheinlich hält, sei in 14 Prozent aller Fälle doch eine auf dem Dach.

PV und Solarthermie zu ähnlich

Zum Teil seien es systematische Fälle, bei denen sich das System schwertue. So haben Wintergärten oft Glasdächer mit schachbrettartigem Muster, hat Bothmann herausgefunden: „Davon lässt sich unser Algorithmus verwirren.“ Ebenfalls Probleme bereiteten Dachfenster und Carports. Die Farbe der Dachziegel hingegen spiele keine Rolle.

Wohl aber die Lage des Objekts, denn die Bildqualität auf Google Maps variiert. „Von Städten liegen meist hochauflösende Bilder vor, auf dem Land wird es schwieriger“, sagt Bothmann. Ebenfalls schwer tue sich die KI dabei, Photovoltaik von Solarthermie zu unterscheiden. Eigentlich wollte die VKB hier differenzieren, das habe aber nicht geklappt. „Die menschlichen Kollegen aus dem Bereich Elektronik-Versicherung trauen es sich aber auch nicht zu“, sagt Bothmann. Die Technologien seien sich optisch zu ähnlich.

Der erste KI-Einsatz dieser Art

Nach eigenen Angaben ist die VKB der erste Versicherer, der auf diese Art KI einsetzt. Bislang hat sie das Verfahren in Bayern und in der bayerischen Pfalz eingesetzt. Dort hat die KI die Adressen der PV-Anlagen ermittelt. Handelt es sich um das Dach eines Bestandskunden, erhalten die Vertriebsmitarbeiter und -partner Hinweise auf die Anlagen sowie Vorlagen für Anschreiben, um den Kontakt aufzunehmen. Vorausgesetzt, die PV-Anlage ist tatsächlich unterversichert und der Versicherungsnehmer hat der Kontaktaufnahme zugestimmt.

In anderen Bundesländern, in denen die VKB aktiv ist, wie Berlin, Brandenburg und dem Saarland, wartet sie noch ab. Auch weitere Anwendungen für den Algorithmus seien noch im Gespräch. „Wir stehen da noch ganz am Anfang“, sagt Bothmann.

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Jochen Bettzieche
Keywords:
KI | Digitalisierung | Photovoltaik
Ressorts:
Technology
 

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