Elektromobilität
25.07.2018

BMW-Manager kritisiert Rivalität zwischen Auto- und Strombranche

Foto: istock/J2R, Teaserfoto: BMW
Carsharing-Fahrzeuge in Berlin an einer Innogy-Ladesäule, die ebenfalls zum „ChargeNow“-Ladenetzwerk von BMW gehört.

Der Chef der BMW-Tochter „Digital Charging Solutions“, Markus Bartenschlager, kritisiert Autohersteller und Energieanbieter für Ladesäulen-Wirrwarr: „Hört auf, Kunden nur für euch selbst zu gewinnen“.

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Fahrer von Elektroautos haben in Deutschland immer noch mit widrigen Bedingungen zu kämpfen. Markus Bartenschlager, der Geschäftsführer der BMW-Tochter „Digital Charging Solutions“ (DCS), bezeichnet das Laden an öffentlichen Stromtankstellen recht diplomatisch als „noch sehr unbefriedigend“. Den Grund dafür sieht er in der Rivalität zwischen Energieanbietern und Autobauern. „Wir sagen Stromversorgern und Herstellern: Hört auf, euch darauf zu konzentrieren, den Kunden nur für euch selbst zu gewinnen und stärkt den Kooperationsgedanken“, so Bartenschlager im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. DCS wolle versuchen, beide Industrien möglichst nah zusammen zu bringen, um die Erfahrung für die Kunden zu verbessern. „Das funktioniert natürlich nur, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt Bartenschlager.

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Die Einschätzung des BMW-Managers passt zum neuen Ladesäulen-Check des Ökostromanbieters Lichtblick, der ein Tarif-Chaos und hohe Ladepreise ausgemacht hat. Das Unternehmen bezeichnet die öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland als „chaotischen Flickenteppich“, regionale Monopolisten diktierten Preise und schüfen ein „babylonisches Wirrwarr an Karten, Apps und Bezahlsystemen“. Die Schuld daran gibt Lichtblick den örtlichen Stromnetzbetreibern und Grundversorgern. Diese nutzten ihre Vormachtstellung, um über das Ladenetz „ein weiteres Monopol zu etablieren und den Wettbewerb im Strommarkt zu unterlaufen“.

Öffentliche Ladesäulen gewinnen an Bedeutung

Aus Sicht von Bartenschlager belebt Konkurrenz zwar den Wettbewerb und verbessert die Qualität. Die Stromversorger müssten jedoch den Fahrzeugherstellern auch die Möglichkeit gewähren, die vorhandene Ladeinfrastruktur in deren Produkte zu integrieren, so dass der Kunde „nur ein Netzwerk vorfindet statt x verschiedene“. Dann könne daraus eine „Win-win-Situation“ entstehen. Bartenschlager geht davon aus, dass die öffentliche Infrastruktur in Zukunft deutlich intensiver genutzt wird, weil immer mehr E-Autofahrer in Mietshäusern oder Eigentumswohnungen lebten statt im Häuschen mit Garage – und Ladestation.   

DCS stellt BMW und anderen Autoherstellern wie Daimler, Audi und PSA sowie Flottenbetreibern intelligente Ladesysteme inklusive Vertragsmanagement und Beratung zur Verfügung. Außerdem haben Kunden des Ladedienstes „ChargeNow“ Zugang zu rund 65.000 Ladestationen von 400 Anbietern in 27 Ländern, vor allem in Europa. DCS versteht sich als Bindeglied zwischen Fahrzeugherstellern und Energieanbietern, mit letzteren schließt die BMW-Tochter Rahmenverträge. Zum Ende des Jahres will DCS zudem ein Kundenfeedback ermöglichen, bei dem Nutzer ihre Erfahrungen beim Laden bewerten können.

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Keywords:
Elektromobilität | Ladesäulen | BMW | Charging Solutions | Stromversorger
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Ich denke, es ist hier dringend an der Zeit, dass die Regulierungsbehörde hier eine Zusammenarbeit aller Anbieter vorschreibt. Als Fahrer eine E-Autos erwarte ich , dass man an irgendeine öffentlich zugängliche Ladesäule fahren kann und einfach laden kann; egal bei welchem Anbieter man einen Vertrag hat. Alles andere ist Unsinn und wird nicht zur Akzeptanz der Elektromobilität beitragen.

Mangelhafte Koordination und Steuerung bei der Förderung der e-Mobilität sind ganz offensichtlich. Interessant ist dabei auch der Kommentar des BMW-Mannes, dessen Infrastrukturausschließlich BMW-Fahrzeugen zugänglich ist. Wie wäre es mit gutem Beispiel.

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