Elektromobilität
25.07.2018

BMW-Manager kritisiert Rivalität zwischen Auto- und Strombranche

Foto: istock/J2R, Teaserfoto: BMW
Carsharing-Fahrzeuge in Berlin an einer Innogy-Ladesäule, die ebenfalls zum „ChargeNow“-Ladenetzwerk von BMW gehört.

Der Chef der BMW-Tochter „Digital Charging Solutions“, Markus Bartenschlager, kritisiert Autohersteller und Energieanbieter für Ladesäulen-Wirrwarr: „Hört auf, Kunden nur für euch selbst zu gewinnen“.

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Immer mehr Energieversorger bieten ihren Stromkunden Bündelprodukte an, in denen beispielsweise eine Wallbox fürs Laden zuhause, ein Heim-Stromvertrag sowie der Zugang zum eigenen öffentlichen Ladenetzwerk enthalten sind. Zum Teil verbinden sie diese mit Smart-Home-Anwendungen und Solaranlagen. Das sei in Ordnung, sagt BMW-Manager Bartenschlager, die Autohersteller dürften aber nicht außen vor bleiben. Schließlich hätten sie ein „berechtigtes Interesse“ daran, zusätzlich zu E-Autos ihre Navigationssysteme mit Vorschlägen zu Routen, Ladeinfrastruktur und Ankunftszeit oder Funktionen wie die Reservierung von Ladestationen an die Kunden zu bringen. 

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Stromanbieter sollten aber auch in ihrem eigenen Interesse mit den Autoherstellern kooperieren, sagt Bartenschlager. Würden beispielsweise im Sommer 2021 eine halbe Million E-Autos Richtung Gardasee fahren und unterwegs laden, werde das Stromnetz entweder überlastet oder die Fahrer blieben reihenweise stehen, warnt der Manager. Dies lasse sich nur mit einem digitalen Ladeservice verhindern, der die Energieunternehmen darüber benachrichtige, zu welchem Zeitpunkt wo wieviel Strom benötigt wird. „Dann kann sich der Ladestationsbetreiber oder Stromversorger darauf einstellen.“

Lastspitzen mit bidirektionalem Laden vermeiden

Bartenschlager wirbt außerdem für intelligentes und bidirektionales Laden. So könnten Stromversorger durch zeitversetztes Laden kostspielige Lastspitzen vermeiden. Zudem ließen sich Autobatterien als Pufferspeicher nutzen, die günstigen Solar- oder Windstrom aufnehmen und bei Windflaute oder schlechtem Wetter ins Netz einspeisen. Wenn zehn- oder hunderttausende Autos bidirektional eingesetzt würden, ließen sich hohe Kraftwerkskapazitäten einsparen, so Bartenschlager. Der Zugriff aufs E-Auto werde nur mit Zustimmung der Kunden geschehen, die davon profitieren müssten. „Aber diese Anwendungsfälle müssen überhaupt erstmal über den Hersteller oder den Zugang des Ladedienstes ermöglicht werden“, mahnt er.

BMW testet in Deutschland und den USA Prototypen des elektrischen i3, die als Pufferspeicher eingesetzt werden. In Serie wird die Option zum bidirektionalen Laden erst später verfügbar sein. Im japanischen Ladeprotokoll Chademo ist die bidirektionale Ladefunktion schon jetzt möglich, weshalb Nissan etwa bereits zahlreiche Projekte umgesetzt hat. Beim europäischen Schnellladestandard „Combined Charging System“ (CCS) hingegen laufen noch die Vorbereitungen. Alle beteiligten Autohersteller (Jaguar, VW, General Motors, BMW, Daimler, Ford, Fiat-Chrysler, Tesla und Hyundai) sammeln Erfahrungen in Tests.

Lesen Sie auch: Zahl der E-Ladepunkte steigt um 25 Prozent

Jutta Maier
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Keywords:
Elektromobilität | Ladesäulen | BMW | Charging Solutions | Stromversorger
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Ich denke, es ist hier dringend an der Zeit, dass die Regulierungsbehörde hier eine Zusammenarbeit aller Anbieter vorschreibt. Als Fahrer eine E-Autos erwarte ich , dass man an irgendeine öffentlich zugängliche Ladesäule fahren kann und einfach laden kann; egal bei welchem Anbieter man einen Vertrag hat. Alles andere ist Unsinn und wird nicht zur Akzeptanz der Elektromobilität beitragen.

Mangelhafte Koordination und Steuerung bei der Förderung der e-Mobilität sind ganz offensichtlich. Interessant ist dabei auch der Kommentar des BMW-Mannes, dessen Infrastrukturausschließlich BMW-Fahrzeugen zugänglich ist. Wie wäre es mit gutem Beispiel.

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