Lastmanagement
06.04.2016

Lastmanagement will nicht zünden

foto: Wikipedia
Nach der Idee des Lastmanagements sollen große Stromverbraucher ihre Schmelzöfen oder Maschinen für einige Minuten drosseln und damit helfen, das Stromnetz in Balance zu halten.

Abschaltbare Lasten von Industriebetrieben sollen für ein stabiles Stromnetz sorgen. Die Novelle der entsprechenden Verordnung will das Bundeskabinett demnächst beschließen. Doch der Nutzen bleibt in der Branche umstritten.

 

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Die Idee hinter den abschaltbaren Lasten klingt zunächst überzeugend: Große Stromverbraucher drosseln für einige Minuten bis Stunden ihre Schmelzöfen oder Maschinen und helfen so, das Stromnetz in Balance zu halten. Industrieunternehmen bekommen für den Aufwand eine Entschädigung, so regelt es die Abschaltverordnung (AbLaV) von Ende 2012. Anfang dieses Jahres sollte sie eigentlich auslaufen, doch die Große Koalition hält die Geldquelle für große Stromverbraucher weiter am Leben. Sehr zum Unverständnis ausgerechnet jener Unternehmen, die mit der AbLaV eigentlich Geld machen könnten. „Bis jetzt ist das keine große Erfolgsgeschichte. Abschaltbare Lasten sind nicht das entscheidende Produkt, um die Energiewende voranzubringen“, lautet das Urteil von Hendrik Sämisch, Geschäftsführer von Next Kraftwerke. Seine Firma zwar wäre in der Lage, abschaltbare Lasten zu vermarkten, ist bisher aber von keinem Großverbraucher beauftragt worden. Stromintensive Industrieunternehmen hätten genug Know-how, um die Lasten selbständig zu vermarkten und müssten bei externen Dienstleistern lediglich ein wenig Infrastruktur in Form von Leitsystemen in Anspruch nehmen, erklärt Sämisch.

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Abschaltbare Lasten sind ein Nischenprodukt für stromintensive Konzerne: Bisher nutzten lediglich vier Unternehmen aus der Chemie- und Aluindustrie das Instrument, schrieb die Bundesnetzagentur im Herbst 2015. Durch die Novelle der Verordnung sollen mehr Unternehmen zum Zug kommen und es könnte endlich so etwas wie Wettbewerb entstehen – beispielsweise müssen stromintensive Betriebe künftig nicht mehr mindestens 50 MW Abschaltleistung anbieten, 10 MW sollen reichen.

 

Regelleistung – die bessere Alternative

„Zumindest können sich damit bald deutlich mehr beteiligen, das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“, sagt Jakob Flechtner vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Die Kammern vertreten genau jene Unternehmen, die abschaltbare Lasten anbieten können. Doch selbst die IHKs setzen lieber auf eine längst etablierte Alternative, den Markt für Regelleistung – dort werden technisch ähnliche Dienstleistungen für das Stromnetz angeboten. Lediglich bei lokal eng begrenzten Ungleichgewichten in den Leitungen hätten abschaltbare Lasten noch eine Berechtigung, sagt Sämisch von Next Kraftwerke. „Und selbst dafür ließen sich bessere Instrumente kreieren.“ Er fordert eine Weiterentwicklung des Marktes für Regelleistung. Abschaltbare Lasten verursachen „deutlich höhere Kosten“ als Regelleistung, bestätigt auch die Bundesnetzagentur.

Die Behörde rät der Bundesregierung dazu, das Instrument der abschaltbaren Lasten einfach abzuschaffen. Das Wirtschaftsministerium will aber trotzdem an der Verordnung festhalten: „Sie stellt den Übertragungsnetzbetreibern ein weiteres Instrument zur Verfügung, mit denen diese die Systemsicherheit der Stromnetze gewährleisten“, teilt das Ministerium mit. So sieht das auch der Netzbetreiber Tennet. „Schwerpunkt bleibt aber der Regelleistungsmarkt“, sagt eine Sprecherin und verweist auf neue Technologien zur Netzstabilisierung, die nicht aus der Industrie kommen: flexibel steuerbare Biogasanlagen, große Batteriespeicher und sogar Regelleistung durch wetterabhängige Solar- und Windkraftanlagen.

Manuel Berkel
Keywords:
Lastmanagement | Regelleistung | Stromnetz | Industrie | Next Kraftwerke | Bundesregierung | Tennet | Chemieindustrie | Aluminiumindustrie | Bundesnetzagentur
Ressorts:
Governance

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