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09.12.2015

Letzte Chance für RWE

foto: RWE
RWE-Firmenzentrale in Essen.

Der Konzern verkauft einen Teil seines Zukunftsgeschäfts. Doch ein Strategiewechsel ist das nicht. Eine Kolumne von Gerard Reid.

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Als Aktionär von RWE hatte man es in den vergangenen zwei Jahren alles andere als leicht angesichts eines Kursverlustes von über 60 Prozent. Diese katastrophale Performance resultiert aus tiefen Einschnitten im Geschäftsumfeld, mit denen der Konzern konfrontiert ist: Die Kraftwerksmargen in Europa sind massiv unter Druck, der Rückbau der Kernkraft ist ein großer Unsicherheitsfaktor und RWE ist als zweitgrößter Kohlendioxid-Emittent der Welt erheblichen politischen Risiken ausgesetzt. Dazu kommen katastrophale strategische Fehlentscheidungen des Managements. Die schlimmste war wohl der Kauf des niederländischen Versorgers Essent für 9,3 Milliarden Euro im Jahr 2009. 3,6 Milliarden mussten darauf bereits abgeschrieben werden, Essent selbst hat fast zehn Milliarden Euro an Wertkorrekturen vornehmen müssen – weitere Abschreibungen werden folgen.

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Investoren glauben nicht mehr an das Geschäftsmodell

Vor diesem Hintergrund war es keine Überraschung für mich, dass Vorstandschef Peter Terium jüngst beklagte, wie schwierig es sei, Kapital für Neuinvestitionen aufzutreiben. Die Sache ist klar: Investoren glauben nicht mehr an das Geschäftsmodell und daran, dass der Konzern seine Kapitalkosten in der Zukunft decken kann. Ich hätte Herrn Terium gern folgendes gesagt: Beschreiben Sie ihre Vision, zeigen Sie mir ihren neuen Business-Plan, und zeigen Sie mir, wie daraus eine vernünftige Kapitalrendite erwächst. Mit größtem Interesse habe ich deshalb verfolgt, wie der Aktienkurs von RWE um mehr als 15 Prozent in die Höhe schoss, als der Konzern „Transforming RWE“ ankündigte. Netz- und Vertriebsgeschäft sowie erneuerbare Energien sollen herausgetrennt und in einem eigenständigen Unternehmen (NewCo) gebündelt werden. RWE bleiben die konventionelle Erzeugung und der Energiehandel. Ende 2016 sollen zunächst zehn Prozent und später mehr der NewCo verkauft werden. Die neue Struktur wird es der Tochter ermöglichen, leichter und günstiger an Geld zu kommen als die alte RWE.

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Keywords:
RWE | Energieversorger | Essen | Gerard Reid | Kolumne | Geschäftsmodell | Fossile | Strategiewechsel
Ressorts:
Finance

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