Verkehrswende
07.08.2018

Lidl und Aldi experimentieren mit Carsharing und E-Mobilität

Foto: obs/LIDL/Mazda
Nicht gerade ein Einkaufswagen: Den Mazda MX-5 kann man demnächst bei Lidl leihen.
Update

Lidl testet stationsbasiertes Carsharing, Aldi Süd stockt die Zahl der E-Ladesäulen auf: Discounter-Parkplätze spielen zunehmend eine Rolle bei der Etablierung neuer Mobilitätskonzepte in der Stadt.

Innerstädtische Konzepte für die neue Mobilität brauchen Platz. So gibt es gerade in Großstädten zu wenig Raum für Ladeinfrastruktur und Carsharing-Angebote – es fehlen Parkplätze. Discounter greifen diesen Engpass zunehmend auf und erschließen ihre Parkflächen für neue Mobilitätsangebote.

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So nimmt Discounter Lidl ab Anfang September gemeinsam mit „Mazda Carsharing“ und dem Mobilitätsdienstleister „Choice“ ein stationsbasiertes Carsharing-Modell auf ausgewählten Parkplätzen in Nordrhein-Westfalen in Betrieb. Die Zusammenarbeit ist zunächst als Test gedacht, bei dem erste Erfahrungswerte gesammelt werden sollen.

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Mazda Teil des Flinkster-Netzwerks

An zunächst 50 Filialen sind je drei Parkplätze für die Carsharing-Flotte von Mazda reserviert. Kunden können die Fahrzeuge über die mobile App des Anbieters buchen, an der Station auf dem Lidl-Parkplatz abholen und dort auch wieder zurückgeben. Das Carsharing-Angebot von Mazda ist darüber hinaus Teil des Flinkster-Netzwerks der Deutschen Bahn. So können auch Flinkster-Kunden die Fahrzeuge auf den Lidl-Parkplätzen über ihre App reservieren und ausleihen.

„Mit dem neuen Carsharing-Konzept sind wir nah an den Kunden und bieten ihnen damit eine unkomplizierte Möglichkeit, alternative Mobilitätslösungen in ihrem Alltag auszuprobieren“, sagt Wolf Tiedemann, Geschäftsleiter Zentrale Dienste bei Lidl Deutschland. Insgesamt stehen auf den Lidl-Parkplätzen 150 Fahrzeuge für die Nutzung zur Verfügung. Angeboten werden verschiedene Mazda-Modelle vom CX-3 Crossover-SUV bis zum MX-5 Roadster, allerdings keine Elektrofahrzeuge.

Für Mazda ist das Angebot auf den Lidl-Parkplätzen in NRW nur der Anfang. Der japanische Autobauer möchte ein bundesweit flächendeckendes Carsharing-Angebot mit 850 Fahrzeugen bereitstellen. Die Nutzungskosten regelt ein modulares Tarifmodell, 15 Minuten sind ab einem Euro zu haben.

Schnellladesäulen bei Aldi Süd

Ladesäule Aldi Süd
Im Laufe des Sommers errichtet Aldi Süd an 28 Filialen neue Ladesäulen.

Während Mazda und Lidl noch auf Verbrennungsmotoren setzen, nutzt Konkurrent Aldi Süd seine Parkflächen zum Ausbau der E-Ladeinfrastruktur. Der Discounter hat bereits an 53 Filialen Ladesäulen aufgestellt, an denen Kunden die Batterien ihrer Elektroautos und E-Bikes während der Öffnungszeiten gratis aufladen können. Im Laufe des Sommers  kommen 28 neue Schnellladestationen im Aldi-Süd-Gebiet hinzu – die ersten nahm der Discounter an diesem Mittwoch in der hessischen Gemeinde Seeheim-Jugenheim mit den Partnern BMW und Innogy in Betrieb. Der Strom dafür stammt von Photovoltaik-Anlagen auf den Filialdächern.

Die Filialen mit den neuen E-Tankstellen liegen Aldi zufolge entlang der Autobahnen A3, A5, A6, A7, A8 und A9. Sie seien von einer Abfahrt aus innerhalb von höchstens fünf Minuten Fahrzeit zu erreichen. Der Abstand zwischen den Filialen mit Ladesäulen liege bei maximal 160 Kilometern. Die Ladestationen haben eine Leistung von 50 Kilowatt (kW), laut Aldi Süd können damit je nach Fahrzeugtyp in gut 30 Minuten bis zu 200 Kilometer Reichweite geladen werden. „Bisher haben wir uns auf die Ballungszentren und Innenstädte konzentriert. Jetzt ermöglichen wir unseren Kunden auch, ihre Urlaubsfahrten mit uns zu planen“, sagt Florian Kempf, der Leiter Energiemanagement bei Aldi Süd.

Die Supermarktkette begründet das kostenlose Angebot an E-Ladesäulen damit, einen Beitrag zur Energiewende leisten und die Elektromobilität in Deutschland fördern zu wollen. Auf der Hand liegt, dass es sowohl Lidl als auch Aldi auch um Image und Kundenbindung geht. Kalkül dürfte ebenfalls sein, dass die Kunden die Ladezeiten für ausgedehnte Großeinkäufe nutzen.

Das Aldi-Süd-Angebot „Park & Charge“ ist Teil des Verbundprojektes „Weg in die <2°-Wirtschaft“ von Stiftung 2 Grad und WWF Deutschland unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Lesen Sie auch: "Es ist nicht damit getan, eine Ladesäule aufzustellen"

Carsten Kloth
Keywords:
Carsharing | E-Mobilität | Ladeinfrastruktur
Ressorts:
Markets

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