Elektromobilität
24.10.2018

E-Tretroller: Lime und Tier Mobility bereiten Start in Deutschland vor

Foto: Lime
Nicht unumstritten: E-Tretroller des kalifornischen Anbieters Lime.

Tretroller-Start-ups sammeln Millionen ein und halten Einzug in die Großstädte der USA und Europas. In Deutschland kann sich das dafür fehlende Gesetz noch bis Mitte 2019 verzögern.

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Sie verstehen sich als Treiber der Mobilitätswende: Die Anbieter elektrischer Tretroller, „Kick-Scooter“ oder „E-Floater“, wie die Gefährte mit Elektromotor auch genannt werden. Mehrere Start-ups wollen dafür sorgen, dass sich das neue Verkehrsmittel auch auf deutschen Straßen etabliert und Autofahrer zum Umstieg animiert. Anders als in den USA und vielen anderen europäischen Ländern müssen die motorisierten Tretroller in Deutschland erst noch zugelassen werden. Bisher lassen sie sich keiner Fahrzeugkategorie zuordnen.

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„In Deutschland ist manches verboten, was nicht spezifiziert und kategorisiert ist“, bedauert Alexander Götz, Deutschland-Manager des kalifornischen Start-ups Lime im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Lime bietet hierzulande bereits Fahrrad- und E-Bike-Sharing an. „In vielen Ländern ist es der Umkehrschluss: Alles, was nicht explizit verboten ist, ist erstmal erlaubt.“ Zugleich seien beispielsweise die Schweiz oder Österreich weiter, weil sie ihre internen Regelungen bereits angepasst hätten – während Deutschland erst jetzt in die Gänge komme.

Zulassung für Radwege soll kommen

Bisher sind hierzulande nur die „Segways“ über eine Spezialverordnung im öffentlichen Verkehr erlaubt, nicht aber die E-Tretroller. Das soll sich nun aber ändern. Wenn die E-Scooter hierzulande zugelassen werden, dann auf den Radwegen. Wo es die nicht gibt, müssen sie auf die Straße. Sie sollen nämlich rechtlich als „Elektrokleinstfahrzeuge“ eingeordnet werden, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometern am Verkehr teilnehmen dürfen. Dazu zählen würden auch andere Mikromobile wie Hoverboards oder E-Skateboards.

Die Genehmigung könnte sich allerdings noch bis Mitte nächsten Jahres hinziehen. Zwar erklärte das Bundesverkehrsministerium Mitte vergangener Woche auf Anfrage von bizz energy, die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung gehe in Kürze in die Anhörung der Länder und Verbände. Nach der Notifizierung und dem parlamentarischen Verfahren trete sie „voraussichtlich noch in diesem Jahr“ in Kraft. Julian Blessin, Mitbegründer des Berliner Tretroller-Start-ups Tier Mobility, sieht den Zeitplan jedoch skeptisch – er rechnet eher mit dem kommenden Frühjahr. Denn sobald die Anhörung vorbei sei, gelte eine dreimonatige Frist, in der die EU prüfe, ob die Verordnung aus Deutschland konform mit EU-Recht ist.

Sollten die deutschen Behörden zu dem Schluss kommen, dass die Mikro-Roller doch kennzeichen- und führerscheinpflichtig sind, könnte das den Siegeszug der Scooter bremsen. „Wir hoffen auf eine markt- und konsumentenfreundliche Regulierung“, sagt Blessin.

Tier-Mobility-Gründer bekannt in der Szene

Die Tier-Mobility-Gründer sind in der deutschen Start-up-Szene keine Unbekannten: Neben Blessin, der zuvor den E-Rollersharing-Anbieter Coup aufbaute, sind das der Ex-Finanzchef von Lieferando, Matthias Laug, sowie Rebuy-Gründer Lawrence Leuschner. Tier Mobility startete vor gut einer Woche mit 250 E-Tretrollern in Wien.

Am Dienstag gab das Start-up dann bekannt, 250 Millionen Euro aus einer vom skandinavischen Fonds Northzone angeführten Investment-Runde zu erhalten. Damit will Tier in viele europäische Städte expandieren und dort Marktführer werden. Zu den Investoren zählten auch Point Nine Capital aus Berlin sowie von Speedinvest aus Wien, die zuvor bereits zwei Millionen Euro in Tier Mobility gesteckt hatten.

Radewege-Ausbau forcieren

Doch die Straßen in den Großstädten sind bereits heißt umkämpft, Elektro-Roller-Fahrer, Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer liegen über die Nutzung der Verkehrsflächen vielerorts im Clinch. „Darüber haben wir uns auch Gedanken gemacht“, sagt Blessin. Doch in Gesprächen hätten Stadtverwaltungen und Kommunen die Einführung von Kick-Scootern sogar begrüßt: Denn mit weiteren potenziellen Nutzern von Radwegen lasse sich der Druck auf die Autolobby und für den längst überfälligen Ausbau erhöhen.

Zu den größten Anbietern zählt neben Lime das ebenfalls aus Kalifornien stammende Start-up Bird. Beide Unternehmen sollen schon wieder auf der Suche nach frischem Kapital sein, obwohl sie sich in diesem Jahr innerhalb kürzester Zeit jeweils dreistellige Millionen-Investments sicherten. Ihre E-Tretroller finden sich inzwischen in immer mehr Städten Europas: Bird etwa in Paris und Zürich, Lime in Prag, Wien, Zürich, Paris, Lissabon und neuerdings auch in Israel.

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Keywords:
Elektromobilität | E-Tretroller | Tier Mobility | Lime | Bird
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

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