Elektromobilität
05.09.2018

Lithium in Europa: die Wette auf den Schatz im Berg

Foto: European Lithium
Geologen von European Lithium im Bergwerk Wolfsberg in Österreich. Dort soll im Jahr 2020 die Förderung beginnen.

Mindestens vier europäische Batteriezellenwerke werden entstehen. Auch die Suche nach dem Batterierohstoff Lithium ist im Gange. Aber haben Minen in Sachsen und Kärnten eine Chance gegen die Konkurrenz aus Südamerika?

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Der hochgewachsene Sachse ist ein Manager mit Mission: „Diese Zukunftstechnologie darf Europa nicht verloren gehen“, sagt er über die Lithium-Ionen-Speicherung. Und: „Ohne eine Produktion wird es auf diesem Sektor hier auch keine Innovation mehr geben.“ Deshalb brauche Europa die komplette Wertschöpfungskette. Und die beginne eben beim Lithium-Abbau.

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Investoren, von denen Deutsche Lithium noch einige benötigt, muss Müller allerdings mit der Aussicht auf Rendite überzeugen. Bisher hat Bacanora unter anderem Kapital der Finanzinvestoren Blackrock, M&G und Hanwha Asset Management eingebracht. Nun führe man mit Banken Gespräche über die nächste Finanzierungsrunde, sagt der Manager. Um das Bergwerk zu bauen, braucht die Deutsche Lithium nach eigenen Angaben noch rund 120 Millionen Euro. Von ihrem zweiten großen Gesellschafter kann sie dabei kaum Hilfe erwarten: Der mit 50 Prozent beteiligte Solarmodulbauer Solarworld ist insolvent. Seine Hälfte an der Deutschen Lithium liegt beim Insolvenzverwalter. Müller rechnet damit, dass Bacanora den Solarworld-Anteil übernimmt.

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Einst nach Uran gesucht

 

Sollte das Freiberger Rohstoff-Start-up tatsächlich in drei Jahren mit ersten Lithiumprodukten auf den Markt gehen, könnte einer seiner schärfsten Konkurrenten European Lithium aus Australien sein. Das Unternehmen bereitet sich im österreichischen Wolfsberg auf einen Produktionsstart im Jahr 2020 vor. Sein Vorteil: Es gibt bereits ein fünf Kilometer langes Stollensystem, das mitten hineinführt ins lithiumhaltige Gestein. Die staatliche österreichische Industrieholding ÖIAG ließ die Stollen in den Achtzigerjahren anlegen, gab sie wegen damals trüber Profitaussichten aber bald auf.

Anfänglich, so erzählt ein anderer Müller, sei im Wolfsberger Traudi-Stollen nach einem ganz anderen Schatz gesucht worden – nach Uran für das nie vollendete einzige Kernkraftwerk Österreichs. Stefan Müller vertritt European Lithium mit seinem Frankfurter Finanzberatungsunternehmen DGWA und ist derzeit vor allem mit dem Anwerben weiterer Investoren beschäftigt. Denn die bisherige Marktkapitalisierung von 65 Millionen Euro, die European Lithium vorweisen kann,  wird nicht ausreichen, um die Vorkommen in Kärnten zu erschließen.

 

Mitarbeiter der Deutschen Lithium entnehmen Gesteinsproben unter dem Ort Zinnwald im Erzgebirge. Foto: Deutsche Lithium

 

Das Wolfsberg-Projekt werde die Anleger aus einem besonderen Grund überzeugen, sagt Müller: „Es wird wohl die sauberste Lithiumproduktion der Welt.“ Er glaubt, dass große Autokonzerne sich für Lithium aus Europa entscheiden werden, da es wesentlich umweltfreundlicher gewonnen werde als beispielsweise südamerikanisches. „Die Unternehmen müssen immer strengere Nachhaltigkeitsvorgaben einhalten, und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg“, erklärt er. Das wisse der Kapitalmarkt sehr gut.

Auch die Deutsche Lithium im Erzgebirge führt den Umweltaspekt als Wettbewerbsvorteil an. Stefan Müller wäre es gar nicht unrecht, wenn sein Namensvetter in Sachsen mit demselben Tempo Fortschritte machen würde wie er in Kärnten. „Dann könnte man sich zum Beispiel die teuren Verarbeitungsanlagen teilen“, sagt der DGWA-Chef. Der Finanzmann, der das Wolfsberg-Projekt als Mitglied des „Board of Directors“ operativ mitsteuert, denkt zugleich an eine mögliche Verarbeitungskooperation mit mehreren skandinavischen Unternehmen.

 

Herrscht bald Lithium-Überangebot?

 

Europäische Einigkeit also statt eines kleinteiligen Konkurrenzkampfes? Den Marktkenner Gerard Reid überzeugt das nicht. Auch vereinte Kräfte würden nicht reichen, um gegen Lithium-Riesen wie SQM aus Chile und Albemarle aus den USA anzukommen, glaubt der Gründer des auf erneuerbare Energien spezialisierten Beratungsunternehmens Alexa Capital in London. „Wenn man sich die Vielzahl der neuen Projekte ansieht, wird klar, dass es ein Lithium-Überangebot geben wird.“ Reid rechnet vor, dass allein die vier größten Produzenten der Welt ihre jährliche Abbaumenge bis 2022 um insgesamt 300.000 Tonnen steigern wollen. (Lesen Sie auch: Megafabriken für Batteriezellen treiben Lithiumpreise)

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Keywords:
Lithium | Batteriefabrik | Elektromobilität
Ressorts:
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