Flüssigerdgas
08.02.2019

LNG: Ein Kraftstoff sucht seinen Markt

Foto: Christian Schaudwet
Noch nicht viel los: LNG-Tankstelle der Uniper-Tochter Liqvis in Grünheide bei Berlin. Zielgruppe sind Speditionen.

Verflüssigtes Erdgas soll den Schwerlast- und Schiffsverkehr klimafreundlicher machen. Doch es gibt bisher kaum Speditionen und Reedereien, die es nutzen.

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LNG IM SCHIFFSVERKEHR: SAUBERER, ABER SELTEN

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Ein ungewöhnliches Schiff wurde am 8. Februar von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer getauft. Die „Kairos“, gebaut auf einer Werft in Südkorea, ist  eines der größten LNG-Bunkerschiffe der Welt. Sie wird Ostsee-Häfen mit Flüssigerdgas für Schiffsantriebe beliefern. Von einem „Meilenstein für LNG als Schiffskraftstoff“ spricht Mahinde Abeynaike, der Chef des Hamburger LNG-Logistikers Nauticor. In seinem Auftrag wird die „Kairos“ LNG in Litauen aufnehmen und in den baltischen Häfen verteilen.

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Viele Schiffe aus Deutschland hat Nauticor noch nicht zu versorgen. Die Bundesregierung setzte zwar Ende 2017 ein Förderprogramm für den Neubau von LNG-Schiffen sowie die Umrüstung auf diese Antriebsart in Gang – aber es fließt noch kein Geld. Anträge für mindestens 27 Schiffe wurden gestellt, aber erst einer bewilligt. Vielen droht wegen der strengen Förderkriterien offenbar vor der Ablehnung. Schifffahrtsverbände und die Lobbyorganisation Maritime LNG Plattform sind beunruhigt.

Mehr als 120 LNG-Schiffe – weltweit

Die deutsche LNG-Flotte ist noch überschaubar, sie besteht unter anderem aus dem ersten umgerüsteten Frachter „Wes Amelie", dem Kreuzfahrtschiff „Aida Nova“ und dem Seebäderschiff „Helgoland“, das die gleichnamige Insel anfährt.

Die MS Stavangerfjord der norwegischen Reederei Fjord Line fährt mit Flüssigerdgas. In
Deutschland setzen erst wenige Schifffahrtsunternehmen auf LNG.
Foto: Espen Gees/Fjord Line
Anderswo in Europa geht es schneller: Weltweit fahren über 120 Schiffe mit LNG, mehr als 130 weitere sind bestellt. Einige nordeuropäische Reedereien wie die norwegische Fjord Line betreiben bereits große LNG-Fähren. Und das schwedisch-norwegische Unternehmen Skangas verfügt mit Verflüssigungsterminals, Regasifizierungsanlagen und Bunkerschiffen über eine weit verzweigte Infrastruktur für maritime Abnehmer.

Bei Binnenschiffen indes sehen Experten wie Majid Kübler, Chef des Beratungsunternehmens Team Consult, kurzfristig kein großes Potenzial für den neuen Treibstoff: „Der Binnenschiffsverkehr ist sehr schwer auf LNG-Antrieb umzustellen, da die Amortisationszeit der bestehenden Dieselschiffe sehr lang ist.“

(Lesen Sie auch: Hybridmotoren und Speicher sollen Schiffe dekarbonisieren)

Doch für die Eigner von Seeschiffen tickt die Uhr: Ab dem 1. März 2020 darf nach Vorgabe der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO kein Treibstoff mit mehr als 0,5 Prozent Schwefelgehalt verbrannt werden. Für LNG böte dies ein gewaltiges Marktpotenzial. Allerdings zeichnet sich ab, dass viele Schiffe stattdessen Abgasreinigungsanlagen bekommen werden, sogenannte Scrubber. Damit dürfen sie weiter das schmutzige Schweröl verfeuern – und brauchen kein LNG.

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Keywords:
LNG | Schifffahrt | Frachtverkehr | Alternative Antriebe
Ressorts:
Markets

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