Elektromobilität
27.02.2018

London macht Straßenlaternen zu E-Ladepunkten

Foto: Ubitricity
Laden am Lichtmast – eine Idee mit Hindernissen.

Großbritanniens Hauptstadt will 700 Lichtmasten zu Ladepunkten für Elektroautos nachrüsten. Der Berliner Anbieter Ubitricity hofft auf den Zuschlag.

In Deutschland zündet die Idee der Lade-Laterne bisher nicht, in London hingegen nimmt sie Fahrt auf: Die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs will in ihrem Stadtbezirk Wandsworth rund 700 Straßenlaternen mit Ladepunkten für Elektroautos ausstatten. Die dafür nötige Technik könnte das Berliner Unternehmen Ubitricity liefern. Es hat ein Gebot für das Ausschreibungsverfahren eingereicht, wie das Unternehmen im Gespräch mit bizz energy bestätigte.

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350 Straßenlaternen sollen dem Fachportal Electrive zufolge auf Wunsch von Anwohnern mit Ladepunkten nachgerüstet werden, die bereits ein E-Auto fahren oder sich demnächst eines anschaffen wollen. Die übrigen Ladepunkte entstehen in zwei Pilotzonen an jeder geeigneten Laterne. Wenn die Tests erfolgreich sind, könnten weitere Wohngebiete das Laternenladen adaptieren. Ubitricity hat in Oxford und in mehreren Bezirken in London bereits 200 Ladepunkte aufgebaut, bis Ende März sollen es rund 300 sein. Dabei kooperiert das Unternehmen mit dem britischen Energieversorger Ovo Energy.

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Nicht jeder Mast geeignet

Voraussetzung für das Laden an der Straßenbeleuchtung ist ein ausreichender Kabelquerschnitt. Wenn dieser zu gering ist, reicht der Strom nicht aus, um zusätzlich noch eine Autobatterie zu laden. Darüber wird momentan auch im hessischen Darmstadt diskutiert. Einem Bericht des "Darmstädter Echo" zufolge fordert die SPD im Stadtparlament, die Straßenbeleuchtung auch zum Laden von E-Autos zu nutzen. Allerdings sind die Laternen in Gruppen an die Hauptleitung angeschlossen, weshalb der Strom zu schwach für eine Ladestelle sei, wie Grüne und CDU entgegensetzen.

Ubitricity-Mitbegründer Knut Hechtfischer sieht trotzdem Einsatzmöglichkeiten – zum Beispiel an Laternen, die nicht zu weit von der Hauptleitung entfernt stehen und zum Laden von Autos über Nacht ausreichen. So viel Zeit müssten Nutzer in jedem Fall einplanen – an Schnellladen ist bei Lichtmasten nicht zu denken. Eine Gelegenheit, das Ladenetz weiter auszubauen, sieht Hechtfischer dann, wenn Laternen altersbedingt ausgetauscht werden müssen. Unter 15.000 Laternen in Darmstadt sei dies bei mehreren Hundert der Fall. Dann ließen sich neue Masten mit integrierter Stromzapfstelle zu geringen Zusatzkosten errichten.

Kooperation mit Berliner Versorger

Im vergangenen November war der Technologiekonzern Siemens bei Ubitricity eingestiegen. Er will das Start-up unter anderem bei der Weiterentwicklung seiner Lösungen unterstützen. Ubitricity bietet ein intelligentes Ladekabel an, in das ein geeichter Stromzähler samt SIM-Karte integriert ist. Dadurch können Kunden für das Kabel einen Stromvertrag abschließen, der Tarif gilt an jedem Ladepunkt des Systems. Einen solchen "Mobilstromvertrag" offeriert das Unternehmen seit Anfang des Jahres in Kooperation mit dem Berliner Versorger Gasag. 

Hier zahlen Kunden eine Grundgebühr von 9,90 Euro zuzüglich 30 Cent pro Kilowattstunde geladenen Stroms. Die Nutzer nehmen den Tarif zum jeweiligen Ladepunkt mit. Für das Laden zuhause oder am Arbeitsplatz bieten die Partner zudem verschiedene Ladesäulen an, die mit dem Kabel kombinierbar sind. Als Kunden erreichen wollen die Gasag und Ubitricity damit in erster Linie Anwohner von Mehrfamilienhäusern sowie Nutzer von gewerblichen E-Fahrzeugen.

 

Lesen Sie auch: "Es ist nicht damit getan, eine Ladesäule aufzustellen"

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Ladeinfrastruktur | Ubitricity | London | Ladekabel
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Artikel sind nur so gut, wie sie auch belastbare Informationen liefern...

so bleiben mehrere Fragen offen:
- Anschlussleistung so eines Laternen Ladepunktes ? kW
- 9,90€ einmalig, oder für welchen Zeitraum ?
- was soll es für einen Sinn machen, zu Hause eine Ladestation zu haben, bei der ich mit dem Ladekabel mit Zähler doppelt bezahle? einmal mit diesem speziellen Ladekabel und einmal den Strombezug sowieso ??

Generell sollten solche Laternenladestationen einfach nur 10A/230V 2,3kW max liefern. Für den durchschnittlichen Verbrauch/Tag von <50km/Tag reichen z.B. mit 2kW und 12h über Nacht laden => 24kWh ewig aus. Oder Laden während 9h Arbeitszeit incl. Pausen sind 18kWh. Damit kann man mit den meisten e-cars 100km weit fahren.

LG jogi

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