Verkehr
22.04.2016

Luftfahrt: Noch viele Meilen bis zum Klimaschutz

foto: Public Domain Pictures

Heute unterzeichnen 165 Staaten in New York das Weltklimaabkommen von Paris. Ein wichtiger Verursacher des Klimawandels ist von einer Einigung aber noch weit entfernt. Ausgerechnet die boomende Flugbranche hat noch immer keine konkreten Zahlen zu Reduktionszielen veröffentlicht.

 

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Politiker aus 165 Staaten haben sich für den heutigen Freitag zur Unterzeichnung  des Ende 2015 in Paris verabschiedeten Klimaabkommens im UN-Hauptquartier in New York angekündigt. Darin verpflichtet sich die Weltgemeinschaft, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis Ende des Jahrhunderts auf nahezu Null zu senken.

Flugzeuge stoßen gigantische Mengen CO2 und anderer klimaschädlicher Treibhausgase aus. Doch bisher spielten sie bei den internationalen Klimaverhandlungen keine Rolle. Zuletzt startete die für den Flugverkehr zuständige UN-Luftfahrtbehörde ICAO im Jahr 2013 den Versuch, ein internationales Instrument zur Emissionsminderung zu verabschieden – und scheiterte. Das soll im Herbst dieses Jahres anders laufen. Im Februar verabschiedete das ICAO-Komitee einen entsprechenden Beschluss im kanadischen Montreal. Wie es jetzt weitergeht, diskutierte die Branche am Donnerstag beim Klimaschutzforum des Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in Berlin.

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Branche gibt sich zurückhaltend

Dabei zeigte sich: Die Luftfahrtbranche selbst ist offenbar noch immer zutiefst gespalten. BDL-Chef Klaus-Dieter Siegloch gab sich jedenfalls in Berlin äußerst zurückhaltend bei der Frage, ob die Ergebnisse des ICAO-Komitees es durch die letzten Instanzen schaffen werden. Zwar seien „die Chancen deutlich besser als noch vor zwei Jahren“, sagte er bizz energy. „Aber eine Lösung ist erst da, wenn wirklich alle zugestimmt haben“, schränkte er ein.

Und Gertrud Sahler, Abteilungsleiterin Verkehr, Umwelt und Gesundheit im Bundesumweltministerium, betonte bei der Diskussion in Berlin weniger die Ergebnisse der laufenden ICAO-Verhandlungen, sondern verwies stattdessen auf mögliche Erfolge durch technologischen Fortschritt. Das Ziel müsse die Weiterentwicklung von Power-to-Liquid sein, also die Umwandlung von Erneuerbaren-Strom in alternative Treibstoffe, sagte sie. Der Verkehrssektor müsse sich komplett auf strombasierte Kraftstoffe umstellen und könnte damit „vollständig dekarbonisiert werden.“

 

ICAO legte im Februar neue Vorschläge vor

Laut des im Jahr 1997 verabschiedeten Kyoto-Protokolls ist die UN-Luftfahrtbehörde ICAO für die Flugbranche zuständig – und soll Grenzwerte für die Reduktion von Treibhausgase festlegen. Im Februar tagte das ICAO-Umweltschutzkomitee und verkündete: Erstmals habe man sich auf Grenzwerte beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids geeinigt. Demnach soll ab 2020 eine international einheitliche Emissionsrichtlinie für die Zulassung von Verkehrsflugzeugen gelten. Ab 2023 sollen zudem bereits in Bau befindlichen Modelle neue Effizienzstandards erfüllen. Bislang sind allerdings keine Details und genaue Zahlen dazu bekannt.

Aber selbst wenn diese Standards für die Luftfahrtbranche kommen, werden sie bei Weitem nicht reichen, um die Emissionen zu senken. Weltweit ist der Ausstoß von Treibhausgasen durch Flugzeuge zwischen 1990 und 2013 um 25 Millionen Tonnen auf 939 Millionen CO2-Äquivalente gestiegen. Damit tragen sie etwa zwei Prozent der globalen Kohlendioxid-Emissionen bei, Tendenz steigend. Laut Prognosen des IATA, der weltweiten Vereinigung von Flugzeugherstellern, könnte sich der Emissions-Anteil bis 2025 verdoppeln.

 

Widerstand aus den Schwellen- und Entwicklungsländern

Die Klimaschutzvorstöße scheitern vor allem am Widerstand der Schwellen- und Entwicklungsländer. Diese sind ­froh über die wachsende Zahl startender Flugzeuge, denn sie sind das Ergebnis eines boomenden Welthandels und bringen immer mehr Urlauber in die Regionen. In Schwellenländer wie China, Indien und Russland wächst zudem die Mittelschicht – und die will mobil sein und fliegen.

Deswegen erwägt die Branche die Einführung eines Ablasshandels: Jede ab 2020 mehr ausgestoßene Tonne CO2 soll kompensiert werden, zum Beispiel in dem Aufforstungsprojekte in Schwellenändern finanziert werden. So wie Passagiere schon heute für ein grünes Gewissen bei der Flugbuchung eine CO2-Abgabe als Aufpreis zum Flugticket zahlen können.

Ob derartige Vereinbarungen aber im September in Kraft treten, steht noch in den Sternen.  Zunächst müsse der Rat der Organisation im Juni die Vorschläge bestätigen, schränkte eine Sprecherin des Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft ein. Dann muss die ICAO-Vollversammlung im September zustimmen.

 

 

 

Jana Kugoth
Keywords:
Klimaschutz | Luftfahrt | ICAO | Berlin | BDL | Pariser Klimaabkommen | Emissionen | Standards | Effizienz
Ressorts:
Governance

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