Braucht Europa Gigafactories?
12.07.2018

Maroš Šefčovič: „Deutschland kann die treibende Kraft sein“

Fotos: EU-Kommission
EU-Kommissar Maroš Šefčovič setzt sich in seinem bizz-energy-Debattenbeitrag für den Aufbau einer europäischen Batteriezellenindustrie ein.

Während der chinesische Batteriekonzern CATL in Thüringen vorprescht, zögert die europäische Industrie: Eine eigene Batteriezellenfertigung wäre sehr teuer. Für den EU-Kommissar Maroš Šefčovič ist sie dennoch unverzichtbar, wie er in seinem bizz-energy-Debattenbeitrag schreibt:

Alle industriellen Revolutionen haben wirtschaftliche und soziale Weltordnungen verändert. Sie definierten die stark gefragten Ressourcen neu, die Wohlstandsverteilung, die benötigten Fachkenntnisse, Produkte und Dienstleistungen. Wir in Europa hatten das Glück, diese Revolutionen anzuführen und Nutzen daraus  zu ziehen. Aber wie stellen wir sicher, dass Europa nun auch die vierte industrielle Revolution anführt, die unter anderem die Energielandschaft verändert? (Lesen Sie auch: Ungelöste Defizite der Elektromobilität – Debattenbeitrag von BP-Europa-Chef Wolfgang Langhoff)

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Meine Vision in der Energieunion – ich habe das Privileg, dieses umfassende Projekt zu gestalten – ist klar. Wir sollten mit einem Gesetzesrahmen in die nächste Dekade gehen, der diese nie dagewesene Transformation unserer Energiesysteme unterstützt. In der Praxis bedeutet das: weg von fossilen Kraftstoffen, hin zu Erneuerbaren, zu dezentralisierter Energie und digitalen Smart-Grid-Lösungen. All dies auf eine faire Weise, die Rücksicht auf die verletzlicheren unter den Bevölkerungen nimmt.

Batterien definieren Märkte neu

Wir werden den CO2-Abdruck unseres Transportsystems nicht genügend verkleinern, wenn der  Strom aus nicht-nachhaltigen Quellen kommt. Wegen der Unstetigkeit der erneuerbaren Energien brauchen wir zudem effiziente, kommerzielle, zugängliche Lösungen, um sie zu speichern. Hier kommen Batterien ins Spiel. Sie stehen kurz davor, unsere Transport- und Energiemärkte neu zu definieren. Sie sind strategisch wichtig.

Als wir den Grundstein der EU-Batterie-Allianz legten, war unsere Hauptbotschaft, warum wir unsere Kräfte bündeln und einen Markt besetzen müssen, der im Jahr 2025 ein Volumen von 250 Milliarden Euro haben wird. Kein einzelner Akteur kann einen solchen Markt allein besetzen. Deutschland mit seiner sehr starken Industrie- und Innovationsbasis kann die treibende Kraft sein. Es geht es heute nicht mehr um das Warum oder das Ob. Es geht um das Wie. Die Industrie in der EU hat die Initiative ergriffen, wie wir es wollten. Dank der EU-Batterie-Allianz sind bereits rund 120 industrielle und innovative Akteure dabei. Projekte und Konsortien – grenz- und sektorenübergreifend – werden in einer Reihe von Mitgliedsstaaten gebildet, einschließlich Deutschland.

Technologische Abhänigkeit vermeiden

Wir müssen schnell sein in diesem globalen Rennen, um einer technologischen Abhängigkeit von unseren Wettbewerbern vorzubeugen. Deshalb haben wir ein robustes Maßnahmenpaket eingebracht, den Strategischen Aktionsplan für Batterien. Er wird uns helfen, ein innovatives und nachhaltiges Batterien-Ökosystem in Europa aufzubauen.

Beispielweise haben wir einen proaktiven Ansatz für den Bezug kritischer Rohstoffe, um unsere Unabhängigkeit zu stärken. Wir verstärken auch die EU-Forschung und -Innovation, um sie besser mit den Bedürfnissen der Industrie zu verbinden. Außerdem bringen wir robuste Anforderungen für eine sichere und nachhaltige Produktion von Batterien für den EU-Markt voran. Hier liegt unser Wettbewerbsvorteil: eine sichere und nachhaltige Hochleistungsbatterie mit den geringstmöglichen Umweltauswirkungen.

Starke Dekade für Europa

Zweifellos werden viele Sektoren sich durch den Übergang zu sauberer Energie verändern. Unsere wirtschaftliche Zukunft hängt von unserer Führung bei den Lösungen von morgen ab. Machen wir es richtig, könnte die nächste Dekade für Europa eine sehr starke werden. Wir werden unseren Schnelligkeitsvorteil nutzen und von den Investitionen in den Energie-Umbau profitieren können.

Maroš Šefčovič ist EU-Kommissar für die Energieunion. Der 51-jährige Jurist und Diplomat aus der Slowakei will eine europäische Batterie-Allianz schmieden. Sein Aktionsplan sieht unter anderem vor, dass die Batterieforschung von 2018 bis 2020 mit mindestens 110 Millionenen Euro gefördert wird.

„Ungelöste Defizite der Elektromobilität“ – Beitrag von BP-Europa-Chef Wolfgang Langhoff zur Gigafactory-Debatte

Maroš Šefčovič
Keywords:
Elektromobilität | Gigafactory | Batteriezellen
Ressorts:
Governance | Technology

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