China entwickelt sich im Vergleich mit 13 anderen Ländern zum Spitzenreiter in Sachen E-Mobilität. Das ist Ergebnis des soeben veröffentlichten Elektromobilitäts-Indexes der Beratungsfirma McKinsey. Beim Ranking der wichtigsten Herstellerländer für Elektrofahrzeuge führt das Land erstmals vor Japan. Ausgewertet wurden Faktoren wie der aktuelle und zukünftige Anteil an der weltweiten Produktion von Elektrofahrzeugen und an wichtigen Bauteilen wie E-Motoren und Batterien. „In China arbeiten Hersteller und Behörden sehr systematisch daran, Elektroautos für den Kunden attraktiv zu machen“, kommentiert McKinsey-Berater Nicolai Müller.

„China ist auch das Land mit der größten Modellvielfalt“, ergänzt Müller. Chinesische Autokäufer haben die Wahl zwischen fast 60 verschiedenen E-Modellen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es gut 40.

Mit einem Marktanteil von gerade einmal 1,1 Prozent sind Stromer in China aber noch lange kein Massenphänomen. Die Förderprogramme der Regierung zeigen allerdings durchaus Wirkung. Durch direkte finanzielle Anreize und Vorteile bei der Zulassung schossen die Verkaufszahlen in die Höhe. Laut McKinsey wurden im Reich der Mitte im letzten Quartal 2015 mehr als 100.000 E-Fahrzeuge verkauft– knapp ein Drittel der seit 2010 insgesamt neu zugelassenen 330. 000 Stromer.

 

Spitzenreiter Norwegen

Hierzulande dümpeln die Zulassungszahlen für elektrische Autos trotz Kaufprämie weiter vor sich hin. Aktuell kommen E-Autos in Deutschland nur auf einen Marktanteil von 0,7 Prozent.

Seit diesem Sommer können Autokäufer einen Zuschuss in Höhe von 4.000 Euro für rein elektrische Fahrzeuge beantragen, Plug-In-Hybride werden mit 3.000 Euro bezuschusst. Bislang haben jedoch nur 1.500 Autokäufer die Prämie beantragt.

Im Juli wurden laut den Zulassungszahlen des Kraftfahrzeugbundesamtes mit 785 Fahrzeugen sogar 18 Prozent weniger Elektroautos verkauft als noch im Vormonat. Gewinner sind laut Statistik die Modelle mit einer Kombination aus Batterie und Verbrennungsmotor. Mit 1.107 Neuzulassungen verzeichnen Plug-In-Hybride ein Plus von 7,8 Prozent.

Auf Industrieseite sieht McKinsey Deutschland jedoch gut aufgestellt.  Im Ranking der wichtigsten Produktionsländer hat es die Bundesrepublik wie im Vorjahr auf Platz drei geschafft – und liegt damit noch vor den USA. McKinsey-Berater Müller sieht die deutschen Hersteller gegen die Konkurrenz aus China gut aufgestellt: „Das Land kann mittelfristig zum führenden Produktionsstandort für E-Fahrzeuge werden“, ist er überzeugt. „2021 dürfte gut ein Drittel aller neuen E-Fahrzeuge von deutschen Herstellern produziert werden.“

Die größte Akzeptanz hat die Elektromobilität nach wie vor in Norwegen. E-Fahrzeuge sind dort im Massenmarkt angekommen. In dem skandinavischen Land ist jedes fünfte neu zugelassene Auto laut Statistik ein Stromer. Auch in den Niederlanden trifft das immerhin auf jedes zehnte neu gekaufte Auto zu. 

 

Offensive aus Indien

Außen vor bleibt bei dem McKinsey-Index allerdings Indien. Dabei soll sich der Subkontinent nach dem Willen des indischen Premierministers Narendra Modi zum Leitmarkt für E-Mobilität entwickeln. Der konservative Hinduist macht ordentlich Tempo bei der Umstellung auf alternative Antriebe – und hat sogar eine eigene Behörde eingerichtet: the National Council for Electric Mobility. Schon ab 2030 sollen laut Modi in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde ausschließlich Elektroautos fahren. Bereits in den nächsten drei Jahren will er die Eine-Million-Marke knacken, wie die Indian Times diese Woche berichtet. Das ist ambitioniert. Noch liegt der Marktanteil laut Statistik erst bei rund einem Prozent – ähnlich wie in China.

Fahrt aufnehmen soll die E-Mobilität in Indien mit einem neuen Finanzierungsplan. Das indische Verkehrsministerium will Autokäufer und Hersteller laut Medienberichten kräftig fördern. Neben Steuervorteilen soll es beim Kauf eines E-Autos eine Abwrackprämie für Verbrennungsmotoren und Benziner geben, zunächst nur für Firmenflotten, später auch für private Pkw. Gleichzeitig werden Subventionen für Dieselfahrzeuge gestrichen, wie der indische Verkehrsminister kürzlich am Rande einer Konferenz in Berlin ankündigte.

 

Der BYD Tang war in China im ersten Halbjahr 2016 der am häufigsten verkaufte Plug-In-Hybrid. (Fotos: istock.com/JesusFernandez Wikipedia/Navigator84, McKinsey)