Energiewende
13.03.2019

Mecklenburg-Vorpommern macht Druck bei Sektorkopplung

Foto: Landesvertretung MV
Energieminister Christian Pegel möchte in Mecklenburg-Vorpommern die Sektorkopplung voranbringen.

Die Ökostrom-Branche steht bereit, um mehr grünen Strom bei Verkehr und Wärme einzusetzen. Die nötigen Energie-Reformen stecken aber fest. Mecklenburg-Vorpommern will nun mit einer „Sektorkopplung light“ vorangehen.

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Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Christian Pegel ist skeptisch: Bundespolitisch sei es derzeit nicht realistisch, dass das System der Energieabgaben und -steuern auf den Kopf gestellt werde. Noch stecke das bisherige EEG dem Bund in den Knochen. Auch lokalisiert der SPD-Politiker dort die Sorge, es könne im Energiebereich erneut einen großen Subventionstatbestand geben.

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Dies ist eine schlechte Nachricht für die Ökostrom-Branche und das Konzept der Sektorkopplung, wobei erneuerbare Energie auch zur Dekarbonisierung der Sektoren Wärme und Verkehr genutzt wird – etwa durch Power-to-X-Technologien. Mehr denn je befürchtet die Branche einen Stillstand beim Ausbau der Erneuerbaren.

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Vier Forderungen von Ökostrom-Managern

Dabei wäre ein Anteil des Grünstroms von 65 Prozent am Markt, wie ihn die Große Koalition für 2030 anstrebt, überhaupt kein Problem, sagt Björn Spiegel, Sprecher des Husumer Erneuerbaren-Dienstleisters Arge Netz: „Wir können noch viel, viel mehr.“ Arge Netz betreibt vom nordfriesischen Husum aus das sogenannte „Erneuerbare Kraftwerk“, bei dem mehr als 2.600 Megawatt an Windkraft, Photovoltaik, Biogas sowie flexible Verbraucher zusammengeschaltet werden können.

Noch aber steht der Nachweis aus, dass Arge & Co nicht nur Strom en masse und preiswert erzeugen, sondern auch das gesamte Netz stabil führen können. Um das umzusetzen, haben Spiegel und andere Ökostrom-Manager derzeit vier Forderungen. Erstens: wegfall von Steuern und Abgaben, die den Einsatz von Strom unnötig verteuern. Zweitens: eine wirksame CO2-Bepreisung. Drittens:  die Möglichkeit für Industrieunternehmen, echten grünen Strom direkt vom Erzeuger zu beziehen. Viertens: statt der geltenden und eng begrenzten Experimentierklausel, bei der nur Kraft-Wärme-Kopplungs Anlagen (KWK) vor Netzengpässen Grünstrom, der ansonsten abgeregelt würde, nutzen dürfen, muss eine wirklich umfassende Regelung her. Nur so könne im großem Maßstab Ökostrom für andere Anwendungen – Heizen, „grünes Gas“ und Industrieprozesse –  freigegeben werden.

Minimal invasive Experimentierklausel

Dass man bei den Forderungen gesetzgeberisch groß vorankommt glaubt Christian Pegel momentan nicht. Aber den Minister schmerzen auch die 5.500 Gigawattstunden Strom, die 2017 in Mecklenburg-Vorpommer abgeregelt werden mussten.

Sein Ministerium beauftragte daher das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM), eine „juristisch minimal invasive“ Experimentierklausel zu entwerfen. Deren Kern ist eine Art neuer Anlagetypus, erläutert die inzwischen vorliegende IKEM-Studie: Ökostromerzeuger, Speicher und Nutzer wie Power-to-Heat- oder Power-to-Gas-Anlagen sollen über eine direkte Stromleitung oder virtuell über das Netz verbunden werden und rechtlich de facto als eine Anlage gelten.

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Keywords:
Sektorkopplung | Energiewende | Power-to-X
Ressorts:
Governance

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