In Nordrhein-Westfalen sind aufgrund der dichten Besiedlung Flächen für Solaranlagen knapp. Insbesondere Dächer bieten aber ein enormes Potenzial. Das zuständige Landesamt errechnet für alle Dachflächen in Nordrhein-Westfalen ein theoretisches Photovoltaik-Potenzial von 81.400 Megawatt bzw. 68 Terawattstunden Strom im Jahr. Zum Vergleich: Ende 2019 waren in dem Bundesland nur rund 5.400 Megawatt Photovoltaik auf Freiflächen, Dächern vor allem, in Betrieb.

Mit einer Initiative zum Ausbau der Photovoltaik im Gewerbe wollen das NRW-Wirtschaftsministerium und Unternehmen aus Handel und Logistik nun insbesondere große Gebäudekomplexe von Handelsfilialen und Logistikzentren mit entsprechenden Dächern für Photovoltaik nutzen. Daran beteiligen sich Discounter, Supermarktketten, Möbelhändler und Betreiber von Einkaufszentren. Ziel sei eine ungefähre Verdopplung der in NRW installierten Photovoltaik-Leistung bis 2030 auf 10.000 Megawatt, teilte der Handelsverband NRW am Freitag mit.

Mit der Initiative könnten Stromkosten gesenkt und die Klimaneutralität von Handelsstandorten vorangebracht werden, erklärt Rainer Gallus, Geschäftsführer des Handelsverband NRW.   Die Installation von Photovoltaik dürfe aber "keine übermäßige Kostenbelastung" darstellen, sondern solle sich wirtschaftlich rechnen, so Gallus weiter. "Soll die Gewinnung von Solarstrom bis 2030 verdoppelt werden, müssen hemmende energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen auf Bundesebene reformiert werden. Es gilt jetzt insbesondere, die rechtlichen Risiken zu minimieren und bürokratische Hemmnisse abzubauen."

Die Initiative baut auf die erhöhte Bagatellgrenze für die Belastung des Eigenverbrauchs mit der EEG-Umlage auf 30 Kilowatt Leistung und 30 Megawattstunden im Jahr auf, die mit dem EEG 2021 beschlossen wurde. Auch die Ausweitung des Photovoltaik-Mieterstromzuschlags auf Quartierlösungen kann den Markt voranbringen.

Erneuerbaren-Verband für Solarpflicht auf Bauten

Der Erneuerbaren-Landesverband LEE NRW hatte seinerseits die Landesregierung kürzlich dazu aufgefordert, sich an der in Hamburg vorgesehenen Solarpflicht für Wohngebäude zu orientieren.  In der Hansestadt müssen ab 2023 Neubauten und ab 2025 auch sanierte Bestandsbauten mit Solar-Dachanlagen bestückt werden. Wer nicht selbst installieren möchte, kann seine Dachflächen an Dritte verpachten. Die NRW-Landesregierung sollte sich, so der LEE NRW, den Stadtstaat zum Vorbild nehmen.

In NRW würden aktuell nur sechs Prozent des vorhandenen Solar-Potenzials auf Dachflächen tatsächlich genutzt. Mit einer Solarpflicht für Neubauten und umfängliche Dachsanierungen gäbe es den nötigen Anschub für die Solarwende. Der LEE NRW unterstützt dabei Vorschläge von NRW-Landesbauministerin Ina Scharrenbach zu einer Baupflicht für solare Bedachungen auf Gewerbeparkflächen.  Von einer Baupflicht ist in der Initiative vom Wirtschaftsministerium und dem Handel aber keine Rede.

jst/dpa

Blick auf Solardach auf Gewerbegebäude
Die meisten Gewerbedächer in Deutschland sind noch ohne Solarmodule. (Copyright: Istock)