Stromkostendebatte
10.10.2012

Beratung für Bedürftige

Für Menschen mit wenig Geld wird der steigende Strompreis immer mehr zum Problem. Der Staat könnte durch Beratung und neue Produkte helfen, resümiert eine DIW-Studie. Umweltminister Altmaier sieht das ähnlich.

Der Strompreis ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Wegen der prognostizierten Anhebung der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werden bald weitere 1,7 Cent pro Kilowattstunde dazukommen. Für Haushalte mit wenig Einkommen ist das ein Problem. Politische Maßnahmen ohne großen Aufwand könnten den Menschen helfen. Das besagt eine druckfrische Kurzstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die von der Organisation Agora Energiewende gefördert wurde. „Man kann einkommensschwache Haushalte wirksam vor steigenden Strompreisen schützen, indem man mit Beratung und punktueller Förderung die Energieeffizienz voranbringt und parallel soziale Transfers wie  Grundsicherung anhebt“, sagt DIW-Studienleiter Karsten Neuhoff. Auch ein allgemeiner Grundfreibetrag bei der Stromsteuer sei zu erwägen.

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Insgesamt geben Haushalte rund 2,5 Prozent ihres Einkommens für Strom aus. Bei zehn Prozent der Haushalte mit dem geringsten Einkommen ist der Prozentanteil fast doppelt so hoch. Um den Anstieg der Stromkosten auszugleichen, müsste sich die Grundsicherung (Hartz IV) um monatlich 1,70 Euro erhöhen. Das würde die öffentlichen Haushalte rund 150 Millionen Euro zusätzlich kosten, so die Forscher. Allerdings erhält nur die Hälfte der Betroffenen diese Transferleistungen. Die Senkung der Stromsteuer käme dagegen allen gleicher Maßen zugute.

Die Wunderwaffe heißt dagegen Energieeffizienz. Klingt banal, ist aber so. Die DIW-Wissenschaftler fordern eine Beratung für jeden Bürger und Prämien, um beispielsweise alte Kühlschränke zu ersetzen. „Ein Ersatz mit einem sparsamen Neugerät könnte Stromkosten von 40 bis 64 Euro pro Jahr sparen“, rechnet Neuhoff vor. Eine einmalige Förderung von 560 Millionen Euro könnte Haushalte demnach um jährlich 195 Millionen Euro Stromausgaben entlasten.

Passenderweise verkündete Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erst gestern, jedem Bürger eine Energieberatung bis 2020 spendieren zu wollen. Einkommensschwache Haushalte sollen dann bei neuen Anschaffungen finanziell unterstützt werden. Bisher sei das Angebot von 10 Prozent aller Haushalte angenommen worden.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Peter Altmaier | Energieeffizienz | Strompreis | EEG-Umlage | Stromkosten
Ressorts:
Governance

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