Die Elektromobilität wächst langsam in der Carsharing-Nische. So erhöht Drive Now, ein Gemeinschaftsunternehmen von BMW und Sixt, noch in diesem Jahr seine Hamburger BMW i3-Flotte von 150 auf 200 Fahrzeuge. Wie das Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) ermittelt hat, ist der Anteil von Elektroautos bei Carsharing-Unternehmen deutlich höher als bei Besitzern von Privatfahrzeugen.

So fahren 15 Prozent der 4.000 Autos der Deutsche Bahn-Tochter Flinkster elektrisch. Bei Car2Go, einem Unternehmen von Daimler und dem Mietwagenunternehmens Europcar, liegt der Elektroanteil der 3.860 Pkws umfassenden Flotte bei 14 Prozent. Die höchsten Quoten haben beziehungsweise hatten dagegen BeeZero und Multicity mit 100 Prozent beziehungsweise 57 Prozent.

Multicity klagte über zugeparkte Ladesäulen


BeeZero ist ein 2016 vom Industriegasehersteller Linde gegründeter Carsharing-Service in München, der 50 mit Wasserstoff betankte Brennstoffzellenfahrzeuge im Stadtgebiet einsetzt. Die Citroen-Tochter Multicity, die immerhin 337 Fahrzeuge in Berlin unterhielt, stellte ihren Dienst im vergangenen September jedoch nach fünf Jahren ein. Das Unternehmen begründete die Kapitulation damals mit der schlechten Ladeinfrastruktur und oft zugeparkten Ladesäulen. Damit sei ein wirtschaftlicher Betrieb in der deutschen Hauptstadt nicht möglich.

Anke Schmidt, die beim InnoZ über die Anwendungen und die Nutzer der Elektromobilität forscht, zeigte im jüngsten Mobilitätsmonitor des Instituts auch auf, wie irreführend statistische Daten sein können. So müssen sich zum Beispiel in Deutschland 344 Benzinfahrzeuge eine Zapfsäule teilen, aber nur zwei Elektrofahrzeuge eine Ladesäule. Das klingt viel – auch gegenüber China mit vier Elektroautos pro Ladesäule, USA mit 13 oder Norwegen mit 14. Dennoch bleibt die Ladeinfrastruktur in Deutschland lückenhaft und unzureichend, und der Elektroautoabsatz ist im Vergleich zu anderen Ländern deutlich schwächer.

Drive Now spricht vom Henne-Ei-Problem

Sebastian Hofelich, Geschäftsführer von DriveNow bezeichnet die Situation als Henne-Ei-Problem: „Die zuständigen staatlichen Stellen bauen die Ladeinfrastruktur nur schleppend aus, weil es zu wenig Elektroautos gibt. Gleichzeitig kommt der Kauf von E-Autos nicht in Schwung, weil die mangelnde Ladeinfrastruktur vielerorts noch abschreckt.“

(Foto: InnoZ)