Speicher-Technologien
25.10.2016

Mehr Grünstrom, weniger CO2

Foto: Electrochaea
Electrochaea betreibt bereits eine Power-to-Gas Pilot-Anlage mit einer Leistungsaufnahme von einem Megawatt in der Nähe von Kopenhagen.

Der ungarische Energieversorger MVM und das Münchner Cleanteach Start-up Electrochaea wollen in Ungarn die bis dato weltweit größte Power-to-Gas-Anlage bauen – und damit Klimaschutz und Energiewende in zweifacher Hinsicht vorantreiben.

 

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Zum einen wandelt die geplante Anlage Grünstrom in Biomethan um. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas. In Form von künstlich hergestelltem Biomethan wird Sonnen- und Windstrom speicherbar und kann in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden.

Das löst nicht nur das zur DNA von Ökostromanlagen gehörende Problem der schwankenden Stromerzeugung durch Sonne und Wind.

Zusätzlich benötigt die Anlage für die Umwandlung von Grünstrom in Öko-Gas Kohlenstoffdioxid (CO2). CO2 ist Hauptverursacher des menschengemachten Klimawandels. Den größten Anteil produzieren Kraftwerke bei der Kohleverstromung. Durch das neue Verfahren kann das Treibhausgases als Ressource verwendet werden, anstatt es in die Atmosphäre abzuladen.

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Die Umwandlung von Grünstrom und CO2 in Biomethan geschieht in einem zweistufigen Verfahren. In einem ersten Schritt wandelt ein Elektrolyseur Grünstrom in synthetischen Wasserstoff um. Mithilfe von Einzeller-Organismen, so genannten Archaeen, wird in einem zweiten Schritt dann aus Wasserstoff und dem Klimakiller CO2 künstliches Methan und Wasser hergestellt. Das so gewonnene Biomethan kann beispielsweise in herkömmlichen Gaskraftwerken verheizt werden oder als Kraftstoff den Tank von emissionsarmen Erdgasautos füllen.

 

Keine EEG-Umlage in Ungarn

Die extra für diesen Zweck gegründeten Firma Power-to-Gas Hungary, ein Gemeinschaftsunternehmen des Münchner Cleantech-Start-ups Electrochaea und des zur MVM Gruppe gehörigen Forschungs- und Entwicklungsinkubators Smart Future Lab, will in den nächsten Jahren die bis dato größte Anlage dieser Art errichten. Die entsprechenden Verträge haben die beiden Firmen bereits am 17. Oktober in Ungarns Hauptstadt Budapest unterzeichnet, wie Electrochaea am Montag mitteilte.

„Electrochaea hat einen Weg gefunden, das Speicherproblem erneuerbarer Energien zu lösen und dabei gleichzeitig dauerhaft zur Reduktion des klimaschädlichen Kohlendioxids beizutragen“, lobt Smart Future Lab- Geschäftsführer Zsolt Bertalan den Projekt-Partner.

Für das ursprünglich in Chicago gegründete Unternehmen ist es nicht die erste Anlage dieser Art. Der bislang größte Speicher und Biomethan-Erzeuger läuft seit April in Dänemark. Auch in den USA und der Schweiz bestehe laut Unternehmen Interesse an dem Verfahren, weitere Anlagen seien dort schon in Bau. Mittelfristig seien Systeme mit bis zu einem Gigawatt Leistung avisiert, sagt ein Unternehmenssprecher.

 

CO2-Preis müsste steigen

Dass Ungarn als Standort für den neuen Power-to-Gas-Speicher ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Anders als in Deutschland fällt dort keine Erneuerbare-Energien-Umlage an. Mit dieser Umlage subventionieren alle Stromverbraucher die Erzeugung von Ökostrom. Die Abgaben treiben die Kosten bei der Umwandlung von Grünstrom in Bio-Gas zusätzlich in die Höhe. Die Industrie fühlt sich hierzulande deshalb von der Politik ausgebremst.

Nicht nur ein niedriger Preis für Überschussstrom ist für die Wirtschaftlichkeit von Biomethan-Anlagen nötig. Auch CO2 müsste mit einem wesentlich höheren Preis belegt werden. Das zeigt beispielsweise eine 2015 veröffentlichte Studie des Hamburger Versorgers Greenpeace Energy und der Beratungsfirma Energy Brainpool. In ihren Wirtschaftlichkeitsberechnungen gehen die Studienautoren von einem Preis von 100 Euro pro ausgestoßener Tonne CO2 aus.  

Jana Kugoth
Keywords:
Power-to-gas | Electrochaea | Ungarn | Dänemark | Speicher | CO2 | Bio-Methan | Grünstrom | erneuerbare Energien | EEG-Umlage
Ressorts:
Technology | Markets

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