Treibhausgase
12.12.2016

Methanboom gefährdet Klimaziele

Foto: istockphotos.com/Urheberrecht:Lynn_Bystro
Kühe produzieren viel Methan.

Der Ausstoß von Methan stieg während der vergangenen Dekade auf ein Rekordniveau. Wissenschaftler sind alarmiert. Bei der Suche nach den Gründen tappen die Forscher noch im Dunkeln.

 

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Seit 2007 schnellt die Methankonzentration unerwartet steil nach oben. Vor allem in den Jahren 2014 und 2015 stieg der Ausstoß des klimaschädlichen Gases um mehr als 10 Teilchen pro Millionen Teilchen (part per million, ppm) jährlich. Das ist das Ergebnis einer am Montag in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlichten Studie. Zum Vergleich: Von 2000 bis 2006 war das Niveau noch nahezu konstant.

Zwar baut sich Methan schneller in der Atmosphäre ab als Kohlendioxid (CO2). Allerdings ist es mehr als 20 Mal so klimaschädlich wie CO2. Die Studienautoren drängen deshalb, dringend zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um den weltweiten Methan-Ausstoß zu messen und zu reduzieren. Anders sei das in Paris vereinbarte Klimaziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu senken, nicht zu erreichen. 
Robert Jackson, einer der Studienautoren und Professor für Erdwissenschaften an der kalifornischen Universität Stanford, kommentiert: „Der Abwärtstrend, den wir in den vergangenen drei Jahren für Kohlendioxid beobachten konnten, steht im krassen Widerspruch zu der schnell steigenden Konzentration von Methan.“

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Vielfältige Ursachen

Die Ursachen für den unerwarteten Anstieg sind allerdings noch unklar. Laut Jackson ist der Methananteil in der Atmosphäre schwer messbar. Teilweise liege das an den vielen unterschiedlichen Quellen, aus denen das Gas entweiche. Bis zu 60 Prozent des Methanausstoßes sei menschengemacht, schätzen die Forscher. Sie sehen die Hauptursache in der steigenden Reisproduktion und in der Viehzucht. Nach Angaben der UN-Landwirtschaftsorganisation ist die Anzahl der Nutztiere von 1,3 Milliarden in 1994 auf fast 1,5 Milliarden in 2014 gestiegen, bei der Reisproduktion sei ein ähnlicher Zuwachs zu beobachten. Auch Lecks bei der Förderung von Fracking-Öl und Gas in den USA könnten eine Rolle spielen.

Eine weitere Quelle für Methan sind außerdem Wasserkraftwerke, wie eine im November veröffentlichte Studie zeigte. Demnach entwichen durch die Staudämme jedes Jahr etwa eine Billionen Tonnen Klimagase.

Um ein genaueres Bild über Anteil und Ursachen der Klimagase Methan und CO2 zu erhalten, will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein neues Forschungsflugzeug in die Luft schicken. Im kommenden Frühjahr soll es erstmals starten und „neue Daten von Europa bis Nordafrika liefern“, kündigte das DLR kürzlich an.

Jana Kugoth
Keywords:
Klimagase | Methan | CO2 | Studie | Klimaziele
Ressorts:
Technology

Kommentare

"Laut Jackson ist der Methananteil in der Atmosphäre schwer messbar"
So, so, und woher haben wir dann die Daten um so eine fundierte Studie zu erstellen? Nur weil "kalifornischen Universität Stanford" im Text steht, sollte man das denken nicht gleich abschalten. Mich würde es mehr interessieren wer der Auftraggeber dieser Studie war, und welche Ziele damit verfolgt werden sollten.

Danke für Ihren Kommentar. Die Zahlen wurden im Rahmen des Global Carbon Project erhoben: http://www.globalcarbonproject.org. Alle zwei bis drei Jahre veröffentlichten Wissenschaftler und Ökonomen in diesem Rahmen neue Zahlen zum weltweiten Methanausstoß. Finanziert wird das Projekt u.a. von der Stiftung der spanischen Bank BNP Paribas: https://group.bnpparibas/en/group/bnp-paribas-foundation/environment
Vergleichsweise schwierig zu messen ist der Methanausstoß laut Professor Jackson aufgrund der vielen unterschiedlichen Quellen (Moore, Viehzucht, Reisanbau …). Die zugrunde liegenden Zahlen basieren auf verschiedenen Informationen, darunter Langzeit-Bestandsaufnahmen der Emissionen, Methankonzentration in der Luft und Computer-Modelle.

Ich wundere mich über die Ahnungslosigkeit oder ist die Information in dem Artikel nicht allgemein bekannt??
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/auftauender-meeresboden-polarme...

Ein wirklich qualifizierter Kommentar ist schwierig, da der Artikel naturgemäß ein Artikel und keine Studie darstellt. Ein paar Informationen wären noch wichtig: Anstieg um 10 ppm/a (pro Jahr) gegenüber welchem Basiswert? Lt. Wikipedia ist liegt der Methangehalt bei 1,75 ppm. Dann wäre eine Steigerung um 10 ppm/a ein enorm großer Wert! Mit einer 28-33-fachen Treibhauswirksamkeit gegenüber CO2 wären dies rund 300 ppm CO2-Äquivalente Zuwachs pro Jahr. Bei nun einem jetzt schon gefährlichen CO2-Gehalt von 400 ppm in der Atmosphäre entspräche dies rund einer Verdopplung der CO2-Äquivalente alle 15 Monate, was größten Alarm hervorrufen müsste. Damit wäre die CO2-Eindämmung von völlig untergeordneter Bedeutung und wir müssten nur mehr an Methan-Eindämmung denken! Irgend etwas kann da nicht stimmen. Wer kann hier aufklären?

Wasserkraft ?

Ökologisch nachteilige Eingriffe in Flussläufe und Landschaften
Strom aus (großen) Wasserkraftanlagen ist wegen der Methanemission nicht klimaneutral
Fast ein Viertel der anthropogenen Methanemission stammt aus der Wasserkraftnutzung

Was gibt es da "im Dunkeln zu tappen"? Seit etwa 10 Jahren wissen wir, dass die Böden in den Permafrostregionen durch den Klimawandel auftauen. Darin gebundenes wird in großen Mengen freigesetzt.
Das ist einer der Kipp-Punkte, die den Klimawandel immer mehr beschleunigen.

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