Stromspeicher
04.10.2018

Microgrids: Rolls-Royce sichert sich Batterietechnik von Qinous

Foto: Quinous
Stromspeicher von Qinous mit Lithium-Ionen-Akkus in Berlin. Ähnliche Anlagen versorgen lokale Stromnetze an entlegenen Orten der Welt.

Mit seinem Einstieg bei dem Speicher-Start-up Qinous sucht der Motorenhersteller Rolls-Royce den Anschluss an die erneuerbaren Energien. Batterien aus Berlin sollen weltweit in lokalen Stromnetzen zum Einsatz kommen.

Batteriesysteme von Qinous versorgen bereits eine Schule in Guyana, ein Luxus-Resort in der chilenischen Atacama-Wüste, ein Krankenhaus auf Haiti und einige abgelegene Stromverbraucher mehr. In den kommenden Jahren könnte sich der Aktionsradius des Berliner Start-ups noch deutlich weiter ausdehnen: dorthin, wo bereits Diesel- oder Gasgeneratoren von Rolls-Royce Strom in lokale Insel-Stromnetze einspeisen, in sogenannte Microgrids.

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Rolls-Royce Power Systems – in Deutschland eher bekannt unter dem Markennamen MTU und nicht verbunden mit dem Luxuskarossenhersteller – hat kürzlich einen Minderheitsanteil an Qinous erworben. Grund der Aktion: Rolls-Royce will im Microgrid-Markt wachsen. Dazu braucht das Unternehmen aus Friedrichshafen Komplettlösungen, die neben Generatoren auch erneuerbare Energien und Stromspeicher umfassen. Qinous könnte dabei ein Bindeglied zu den Erneuerbaren werden. Rolls-Royce-Finanzchef Marcus Wassenberg bezeichnet sein Unternehmen in diesem Kontext als “strategischen Investor”, macht aber keine Angaben zur Höhe der Beteiligung an Qinous.

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Tausende Generatoren

Generatoren der Marke MTU sind weltweit zu Tausenden im Einsatz. Rolls-Royce ergänze nun sein bisheriges Portfolio um Batterien, könne alternative Energieerzeug einbinden und das Ganze mit intelligenter Steuerung kombinieren, erläutert eine Unternehmenssprecherin. Das ergebe „ein aufeinander abgestimmtes Microgrid-System, das einen profitablen Betrieb ermöglicht“. Der Motorenbauer reagiert damit unter anderem auf die Tatsache, dass Solarstromerzeugung an vielen Orten der Welt inzwischen billiger ist als der Betrieb von Generatoren mit fossilen Brennstoffen.

Dem 2013 gegründeten Berliner Batterie-Start-up eröffnet der neue Gesellschafter verlockende Perspektiven. Gut möglich, dass die Nachfrage die Fertigungskapazität des rund 20 Mitarbeiter zählenden Betriebs übersteigt. Das könnte dazu führen, dass Qinous-Anlagen auch bei Rolls-Royce gefertigt werden: Synergien insbesondere bei Fertigung und Beschaffung zu nutzen, sei „ausdrücklich Bestandteil der Kooperation zwischen Qinous und Rolls-Royce“, heißt es dazu aus Friedrichshafen. Die dritte Komponente, die Anlagen zur grünen Stromerzeugung in Microgrids, wollen die Friedrichshafener aber nicht selbst herstellen, sondern von Partnerunternehmen beziehen.

Speichermarkt wächst rasch

Qinous rechnet nach dem Einstieg von Rolls-Royce mit einer Verdreifachung seines Umsatzes auf knapp sechs Millionen Euro. „Unser Ziel sind jährliche Wachstumsraten beim Umsatz mindestens im hohen zweistelligen Prozentbereich, sagt Geschäftsführer Steffen Heinrich.

Qinous-Speicher mit Lithium-Ionen-Akkus und einer Gesamtkapazität von 15 Megawattstunden laufen nach Angaben des Unternehmens in rund 30 Projekten in 16 Ländern, gespeist aus fossilen und erneuerbaren Stromquellen. Das Unternehmen erwartet, dass der Weltmarkt in seinem Segment bis zum Jahr 2020 um mehr als 400 Prozent auf fünf Milliarden Euro wächst. Die Berliner bedienen das Speichersegment zwischen 30 und 2000 Kilowatt – damit liegen sie zwischen kleinen Solarbatterien für Privathaushalte und Großspeichern für Industriebetriebe.

 

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Christian Schaudwet
Keywords:
Batterie | Stromspeicher | Microgrid
Ressorts:
Markets

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