Photovoltaik
07.08.2019

Mieterstromprojekte kämpfen weiter mit den Bedingungen

Foto: Bürger Energie Berlin
Der Berliner Staatssekretär Christian Rickerts, Christoph Rinke von Bürger Energie Berlin, Sami Natal von der Wohnungsgenossenschaft Neukölln und andere weihen einer Mieterstromanlage ein.

Das Potenzial von Mieterstrom ist erheblich – Millionen Wohnungen könnten versorgt werden. Doch die derzeitigen Rahmenbedingungen verhindern den Photovoltaik-Durchbruch in den Städten.

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Dabei ist das Potenzial des Mieterstroms erheblich: Einer Analyse im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge könnten rund 3,8 Millionen Wohnungen so versorgt werden. Würden die Rahmenbedingungen verbessert, könnten noch deutlich mehr Mieter direkt vom Dach Strom beziehen.

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Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium untersucht derzeit, warum die Mieterstrommodelle derart hinter den Erwartungen zurückblieben. Nach der Auswertung des Berichts sollen die Rahmenbedingungen für Mieterstrom im Herbst angepasst werden.

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Potenzial von Gewerbegebäuden unberücksichtigt

Etliche Hürden müssten fallen: So wird die Mieterstromzulage bislang nur für Solaranlagen auf dem Dach des Wohngebäudes beziehungsweise in räumlicher Nähe gezahlt. „Eine viel zu enge Auslegung des gesetzlich geforderten ‚räumlichen Zusammenhangs’ zwischen Solaranlagen und Verbrauchern und damit verbundene bürokratische Auflagen verhindern unzählige Lösungen für eine klimafreundliche Quartiersversorgung“, kritisiert BSW-Solar-Chef Körnig. Und das Potenzial von Gewerbegebäuden bleibe mit den bisherigen Rahmenbedingungen völlig unberücksichtigt.

Auch die umfangreichen Abrechnungs-, Informations- und Mitteilungspflichten, die sich aus dem Energiesammelgesetz für Betreiber kleinerer Solaranlagen ergeben, erschweren aus Sicht des Verbands den Durchbruch der Mieterstrommodelle. „Wer zum Beispiel eine Einliegerwohnung oder wenige Wohneinheiten mit vor Ort erzeugtem Solarstrom beliefert, sollte nicht automatisch dieselben Pflichten wie ein großer Energieversorger erfüllen müssen“, schlägt Körnig vor.

Ausbaudeckel bald erreicht

Zwar entfallen beim Mieterstrom Netzentgelte, bestimmte Umlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgaben. Doch anders als bei Eigenheimbesitzern, die ihren selbst erzeugten Solarstrom vom Dach nutzen, wird bei Mieterstrommodellen die EEG-Umlage in Höhe von rund sieben Cent je Kilowattstunde fällig. Die Benachteiligung von Mieter und Vermieter, die auf Solarstrom setzen, müsse beendet werden, fordert daher Körnig.

Zudem zeichnet sich eine zusätzliche Hürde am Horizont ab: Sobald in Deutschland die Marke von 52 Gigawatt installierter Photovoltaik-Kapazität erreicht ist, können neue Photovoltaikanlagen nicht mehr nach dem EEG gefördert werden. Schon im kommenden Jahr könnte die Marke überschritten werden. Eine Einspeisevergütung für neue Mieterstromanlagen würde es dann nicht mehr geben.

Trotz aller Hindernisse – die Wohnungsgenossenschaft Neukölln will prüfen, ob noch mehr Gebäude in ihrem Besitz für Mieterstromprojekte geeignet sind.

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Sandra Kirchner
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Keywords:
Mieterstrom | Photovoltaik | Solarstrom
Ressorts:
Governance

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