Wall Street Inside
07.07.2014

Milliarden für Pipelines

Depositphotos.com (2)
MLPs pumpen dringend benötigtes Geld in Energie-Infrastruktur. Anlegern werden stabile Renditen versprochen.

Klingt komplex, steckt aber viel Geld drin: Master Limited Partnerships in Amerika.

 

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Achtung, jetzt wird es kompliziert. Investoren setzen auf ein Zaubermittel, um an Amerikas Weg in die Energieunabhängigkeit zu verdienen. Das Mittel heißt Master Limited Partnership (MLP) und ist derzeit bei Hedgefonds und Finanzinvestoren wie Blackstone und Blackrock ebenso in Mode wie bei Kleinanlegern. Es ist sehr komplex, steuerlich begünstigt und renditeträchtig. Und es hat in den vergangenen Monaten Milliarden angezogen. 

MLPs sind börsennotierte Gesellschaften, in die Pipelines und andere Energieinfrastruktur wie Öllager ausgelagert werden. Das MLP-Kapital stammt von Investoren, die Anteile fast genau wie Aktien jederzeit an der Börse kaufen oder verkaufen können. Was als Ertrag in die Kasse kommt, muss als Ausschüttung an die Anteilseigner quartalsweise verteilt werden. Die Investoren sind lediglich Geldgeber, Einfluss auf Management-Entscheidungen haben sie nicht. 

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MLPs müssen Gewinne auf Konzernebene nicht versteuern, solange diese ausgeschüttet werden – ähnlich wie börsennotierte Immobilienfonds. Die Idee der MLPs ist also nicht in erster Linie die langfristige Maximierung des Unternehmenswertes, für die man Gewinne einbehalten und reinvestieren müsste; es geht vielmehr darum, möglichst hohe regelmäßige Ausschüttungen aus dem Cashflow zu erzielen. Das lohnt sich: Die MLPs erzielten in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt Renditen von jährlich sechs Prozent. MLPs gibt es schon seit Jahrzehnten, aber viele Anleger haben sie gerade erst entdeckt.

2013 haben MLPs einige Rekorde geknackt. Der Finanzmarkt-Dienst Morningstar liefert dazu folgende Zahlen: Die 21 Börsengänge in 2013 spülten insgesamt 8,8 Milliarden Dollar in die Kassen. 11,9 Milliarden flossen in Fonds, die in MLPs investieren. Noch 2003 waren alle MLPs zusammen weniger als 50 Milliarden Dollar an der Börse wert, heute sind es mehr als 450 Milliarden Dollar, hat Adam Karpf vom New Yorker Vermögensmanager Atlantic Trust ausgerechnet. „Das ist längst keine schlafende Branche mehr“, bilanziert Karpf.

Zwei große Trends – der Frackingboom auf der einen, die Niedrigzinsen auf der anderen Seite – haben die Beliebtheit von MLPs verursacht. Das Fracking ist zwar in Europa umstritten, aber in den USA als Fördermethode weitgehend akzeptiert. Durch Fracking ist das Fördervolumen von Gas in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent gestiegen, das von Öl sogar um 50 Prozent. Schon 2015 wird Amerika voraussichtlich zum größten Ölproduzenten der Welt, noch vor Saudi-Arabien und Russland. Zwar hat die US-Industrie rasant in die Entwicklung der Quellen investiert, aber vielerorts fehlen Pipelines und Lagerstätten – zum Beispiel in dem riesigen und entlegenen Schieferöl-Feld Bakken in North Dakota. Das Gas, das bei der Ölbohrung automatisch anfällt, wird einfach verbrannt, weil es keine Möglichkeit zum Abtransport gibt. Die Interstate Natural Gas Association of America rechnet vor, dass bis 2035 jedes Jahr 30 Milliarden Dollar in neue Öl- und Gasinfrastruktur gesteckt werden müssen. 

Die Niedrigzinsphase befeuert den MLP-Boom zusätzlich. Staatsanleihen bringen kaum noch Zinsen. Investoren suchen fieberhaft nach renditeträchtigen Anlagen, um einen guten Depot-Mix zu erreichen; sie bewerten Infrastrukturinvestitionen als relativ sicher. 

Wall-Street-Banken lieben MLPs , weil sie an den Gebühren für Kauf und Verkauf der Anteile gut verdienen. Sie machen reichlich Werbung – aber erwähnen die Risiken lieber nicht. Daher mehren sich inzwischen die Warnungen. Sogar Experten durchblicken die komplexen Steuer- und Ausschüttungs-Konstruktionen kaum. „Ich finde sie schwer zu verstehen, daher bin ich eben lieber vorsichtig”, bekennt Evan Welch, Investment-Chef beim Finanzberater Antaeus Wealth Advisors. 

Zudem sind MLPs als Folge des Booms meist sehr teuer. „Wir haben eine bemerkenswerte Phase hinter uns, in der das Geschäft sehr gut funktioniert hat und die Renditen großartig waren“, sagt Bobby Tudor, Chef der auf Energie spezialisierten Investmentbank Tudor, Pickering, Holt & Co. aus Houston. „Es kommt uns aber so vor, als würde das Geschäft künftig eher schwerer als leichter.“ 

Dennoch: Unter dem Strich können Investoren mit MLPs viel Geld verdienen, wenn sie mit der gebotenen Vorsicht agieren. Auch für Netzbetreiber und Verbraucher ist das Vehikel sinnvoll: MLPs helfen, das dringend benötigte Kapital für neue, kostspielige Infrastruktur einzuwerben. In Deutschland, wo der Netzausbau stockt, sollte man sich das MLP-Konstrukt ruhig einmal genauer anschauen.

Kathrin Werner
Keywords:
Master Limited Partnership | MLP | Pipeline | Wall Street | USA | Investoren | Investitionen | Öl | Gas | Schiefergas
Ressorts:
Finance

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