Frage des Monats
15.03.2017

"Mindestpreis für CO2 wäre der erste Schritt"

Foto: flickr/Heinrich-Böll-Stiftung/Stephan Roehl
Patrick Graichen.

"Wie muss der Emissionshandel reformiert werden?", lautet die Frage des Monats von bizz energy. Experten aus Politik und Wirtschaft haben geantwortet. Lesen Sie hier die Antwort von Agora-Energiewende-Direktor Patrick Graichen.

So wie er heute ausgestaltet ist, wird der EU-Emissionshandel in den nächsten 10 bis 15 Jahren weiterhin bei extrem niedrigen CO2-Preisen herumdümpeln und keinerlei Investitionen in klimafreundliche Technik anreizen. Denn wir haben drei Milliarden Überschusszertifikate im System, und jedes Jahr werden es mehr. Ist der Emissionshandel deshalb tot? Ich meine: Nein. Aber er braucht dringend eine Ergänzung, sonst wird er bedeutungslos. So hat der CO2-Mindestpreis in Großbritannien innerhalb von kurzer Zeit dazu geführt, dass dort anstelle von Kohle das CO2-ärmere Erdgas zur Stromerzeugung genutzt wird.

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Dieses Instrument funktioniert also – und es zeigt, dass ein Emissionshandel mit höheren Preisen auch funktionieren würde. Deshalb wäre ein Mindestpreis für CO2 der erste Schritt für eine grundlegende Reform des Emissionshandels. Im zweiten Schritt muss die Wirkung des Mindestpreises dann auch bei den CO2-Zertifikatemengen abgebildet werden. Überzählige CO2-Zertifikate würden dann aus der schon beschlossenen Marktstabilitätsreserve heraus automatisch gelöscht. So wäre CO2 auch im Emissionshandel wieder ein knappes Gut – was es in der Realität ja schon lange ist.
 

Die Antwort von CDU-Politiker Joachim Pfeiffer lesen Sie hier. 

Patrick Graichen
Keywords:
Klimaschutz | CO2-Mindestpreis | Großbritannien | Marktstabilitätsreserve
Ressorts:
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Kommentare

Weil es nicht absehbar ist, dass die wetterabhängige Energieerzeugung irgendwann mal ohne Förderung auskommen wird, soll die wetterunabhängige Elektroenergieerzeugung künstlich verteuert werden!

Eine "künstliche Verteuerung" wäre es nur dann, wenn das Treibhausgas CO2 keine negativen Folgeschäden verursachen würde. Das entspricht aber nach allem, was die Wissenschaft zu diesem Thema weiss, nicht den Erkenntnissen. Und deshalb wäre ein CO2-Mindestpreis nicht nur keine "künstliche Verteuerung", sondern sogar eine gerechtfertigte und notwendige Internalisierung externer Kosten. Die in rede stehenden 20 EUR / Tonne CO2 würden dabei noch nicht einmal ansatzweise den tatsächlichen Kosten entsprechen.

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